Zwei Tiere und die Freiheit

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Ein Holz geschnitzer kleiner Elefant.

Kürzlich hörte ich in einem Spielfilm wie einer der Protagonisten eine Geschichte erzählte, die mich sofort faszinierte. Sie geht wohl auf Jorge Bucay1 zurück. Ich erzähle die Geschichte mal so, wie sie mir aus dem Film in Erinnerung geblieben ist.

»Du hast doch bestimmt schon mal Elefanten im Zirkus gesehen.« »Ja, aber im Fernsehen.« »Hast du dich auch mal gefragt, warum die Elefanten nicht davonlaufen?« »Ehrlich gesagt, nein.« »Den kleinen Pflock an dem sie angekettet sind könnten sie doch mühelos herausreißen und in ihre Freiheit stürmen.« »Stimmt. Das ist schon merkwürdig.« »Deren Problem ist: Schon als ganz junge Elefanten sind sie an so einem Pflock gekettet worden. Damals haben sie es sicher oft versucht, sich von dem Pflock zu lösen. Doch so sehr sie sich auch angestrengt haben, es ist ihnen nicht gelungen. Sie waren noch zu klein und zu schwach dafür. Irgendwann haben sie ihr Schicksal ohnmächtig akzeptiert und es nie wieder probiert, sich zu befreien. Auch nicht, als sie längst zu kraftvollen, großen Elefanten herangewachsen sind.«2

Als ich das gehört habe, musste ich an viele Ausführungen von Gerald Hüther3 denken, die ich in Büchern von ihm gelesen habe. Wir haben uns selbst so in unseren Konditionierungen, Mustern, Vorstellungen verfangen, dass wir uns kaum noch vorstellen können, dass es auch anders gehen könnte.

Alle sagten: »Das geht nicht!« Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.4

Die inneren Widerstände etwas anderes zu akzeptieren oder gar zu tun, sind oft enorm. Aber wenn ich eines aus den Geschichten um Corona gelernt habe, dann ist es das: Wir müssen beweglicher werden. Und dass ich das so auf dem Punkt bringe, ist einem hervorragenden Artikel „geschuldet“, auf den ich später, in einem anderen Text, noch zu sprechen komme.

Doch was ich noch sagen wollte ist: Den vermeintlich unüberwindlichen Pflock mit der Kette gibt es aber meistens nur im Kopf. Es kann unglaublich befreiend sein, den „Pflock“ zu überwinden. Das wiederum erinnert mich an ein Lied über ein anderes Tier:

Doch ruft ihn die Weite, die endlose Macht,
dann stürmt er ins Freie, mit maßloser Kraft,
er schwingt seine Flügel, sprengt Schlösser und Riegel
der Fesseln und Ketten.

— Aus dem Lied: Albatros von Karat5


  1. Siehe de.wikipedia.org: Jorge Bucay. [return]
  2. Später habe ich dazu ein bisschen im Netz geblättert. Dabei habe ich unter anderem diese Infos gestoßen: Der Elefant am kleinen Pfahl: Macht der Konditionierung. „Widerstände fußen oft auf alten Erfahrungen. Die damit verbundenen Ängste zu überwinden, macht Veränderung erst möglich.“ [return]
  3. Siehe de.wikipedia.org: Gerald Hüther. [return]
  4. Leider habe ich zu dem Spruch nicht den Namen der/des Urheber:in gefunden. [return]
  5. Siehe de.wikipedia.org: Albatros (Lied) und youtube.com: Karat - Albatros. [return]