Wollen wir wirklich, was wir wollen?

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Moose und Flechten auf einem Stein.

Neulich schrub ich: Aber wenn ich eines aus den Geschichten um Corona gelernt habe, dann ist es das: Wir müssen beweglicher werden.1 Inspiriert hat mich dazu ein Gastbeitrag von Matthias Horx2, den er für das Redaktionsnetzwerk Deutschland geschrieben hat. Und dieser Artikel ist mein heutiger Lesetipp: „Was aus Corona folgt: Matthias Horx zieht acht Lehren aus der Pandemie“.3

Die meisten von uns sehnen sich nach der Zeit vor Corona zurück, nach dem „Normal“. Doch war das Normal wirklich normal? Matthias Horx weißt darauf hin, dass wir uns schon lange in einem „Über-Normal“ befunden haben: Über-Tourismus, Über-Meat, Über-Vergnügen, Über-Konnektivität.

Dazu schreibt er: „Die Sättigungskrise eines Wohlstands, der keine Richtung mehr hatte als das ständige ‚Mehr‘. Da jede Steigerung von Genuss einen abnehmenden Grenznutzen hat […] macht sich eine tiefe innere Leere, eine rasende Unzufriedenheit breit. Corona enthüllte die Abwesenheit einer plausiblen Zukunft“, und er fragt: „Wollen wir wirklich, was wir wollen? Oder fehlt da noch etwas anderes?“

Mich erinnert das wieder an den Spruch eines Freundes, den ich hier schon oft zitiert habe: „Was die Menschen wollen und was sie wirklich brauchen, ist meistens sehr, sehr unterschiedlich.“4

Aber zurück zu dem Artikel von Matthias Horx. Wie kommt es, dass Länder wie Neuseeland, Bhutan, Costa Rica das Corona-Virus relativ gut bekämpft bekommen haben? „Die ‚Sieger‘ in der Krisenbekämpfung waren kleine Länder mit starker Bürgerkultur, die von Frauen geführt wurden, die auf männlichen Heroismus verzichteten. Oder von Männern, die pragmatische Fürsorge verkörperten. […] Gegenbeispiele sind Tschechien und Brasilien, die zeigen, was passiert, wenn die Gesellschaft in männliche Deutungs- und Vertrauenskämpfe verstrickt ist.“

Ich fasse das mal so zusammen: Das patriarchalische Denken scheint für komplexe Herausforderungen nicht geeignet zu sein. Egal ob es dabei um Corona, Natur oder Klima geht. Das patriachalische Denken ist zu egoistisch ausgerichtet. Zukunft spielt darin nur eine Rolle, wenn sie dem Machterhalt dienlich ist.

In seinem Fazit schreibt Matthias Horx: „Wandel heißt, die innere Nostalgie zu überwinden, die uns an der Vergangenheit, am ‚alten Normal‘ kleben lässt. Wandel heißt, Erwartungen zu verändern – und dadurch zu einer neuen Zukunftsbeziehung zu kommen.“

Es sind Aussagen wie diese und der oben schon zitierte Satz: „Die Sättigungskrise eines Wohlstands, der keine Richtung mehr hatte als das ständige ‚Mehr‘“, die mich zu der Erkenntnis gebracht haben: Wir müssen beweglicher werden. Und wir müssen an „Mit“ statt an „Mehr“ denken.

Mit der Natur, mit der Umwelt – Miteinander.


  1. Siehe: Zwei Tiere und die Freiheit. [return]
  2. Siehe de.wikipedia.org: Matthias Horx. [return]
  3. Siehe www.rnd.de: Was aus Corona folgt: Matthias Horx zieht acht Lehren aus der Pandemie, vom 23.3.2021. [return]
  4. Mein Kumpel ist Softwarexperte und in diesem Kontext verwendet er auch gern den Satz. Meistens dann, wenn die Wünsche der Anwender:innen die Software zu einer eierlegenden Wollmilchsau mutieren lassen, die dann niemand mehr richtig bedienden kann, weil sie zu komplex geworden ist. [return]