Wissenschaft und Agnotologie

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Deckel einer alten Holzkiste mit schweren Eisenbeschlägen.

Agnotologie, sagt Euch das was? Bis vor zwei Tagen hätte ich auch nur mit der Schulter gezuckt. Die Wikipedia erklärt Agnotologie so:

„Agnotologie […] bezeichnet […] eine Forschungsrichtung, welche die kulturelle Erschaffung und Aufrechterhaltung von Unwissen untersucht. Ihr Erkenntnisgegenstand ist, wie Unwissen durch Manipulation, irreführende, falsche oder unterdrückte Informationen, Zensur oder andere Formen absichtlicher oder versehentlicher kulturpolitischer Selektivität geschaffen oder gesichert werden kann.“

»Hä?! Welche die Erschaffung von Unwissen untersucht? Was soll das denn heißen?« – Unwissenheit bedeutet nicht zwingend, dass kein Wissen vorhanden ist. Unwissenheit kann auch provoziert werden, zum Beispiel indem „Wissen“ hinzugefügt wird; gern auch mal inflationär. Die Schwierigkeit besteht dann beispielsweise darin, Wissen, Argumente einzuordnen. Wenn mir das nicht gelingt, kann ich, obwohl es mir nicht an Wissen fehlt, unwissend sein.

Und wie komme ich jetzt darauf? Vor zwei Tagen habe ich mir die Reportage Forschung, Fake und faule Tricks1 aus der ARTE-Mediathek angeschaut:

„Ob Asbest, CO2-Emissionen, 5G oder Corona: Im immer hitzigeren Ringen um die Wahrheit kommt der Wissenschaft die fragwürdige Rolle des Meinungsmachers zu, und dazu wird sie nach Belieben beeinflusst, manipuliert und untergraben. Die Reportage zeigt anhand mehrerer großer Umwelt- und Gesundheitsskandale die Strategien zur Instrumentalisierung der Wissenschaft.“

Vielen werden die darin aufgeführten Argumente beziehungsweise Beispiele bekannt sein. Was mir aber meistens nicht klar war, von wem die Argumente stammen und welchem Zweck sie dienen. Welchem Zweck sie dienen lässt sich häufig schon erschließen, wenn ich die klassische Frage beantworten kann: Cui bono? Wem zum Vorteil? Dann kann ich möglicherweise erkennen: Wer will hier von sich oder etwas ablenken? Wer will hier eine andere oder gar falsche Fährte legen?

Hand aufs Herz, wisst Ihr immer, wer die Studie in Auftrag gegeben hat, mit deren „Erkenntnisse“ Ihr gerade argumentiert? Das Problem ist, meistens wissen wir das nicht. Und recherchieren tun wir es dann auch nur höchst selten. Also ich jedenfalls.

Vorhin bin ich noch auf diesen Artikel gestoßen: „Gekaufte Wissenschaft“. Bei dem Text handelt es sich um eine Buchrezension des Autors. Im Vorspann des Artikel heißt es: „Nur noch ein Sechstel der Forschung ist frei, der allergrößte Teil findet im Dienste der Gewinnmaximierung statt. Die Fehlentwicklung wäre leicht zu ändern, wenn der politische Wille vorhanden ist.“

Wie auch immer, mich hat die Reportage Forschung, Fake und faule Tricks1 sehr sensiblisiert. Ich hoffe, das hält an.


  1. Bitte beachten: Verfügbar bis 23. April 2021! ↩︎