Von den Elefanten zu den Rettungsaffen

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Ein aus Holz geschnitzter, kleiner Elefant

Es wird ja viel über das Internet gemeckert. Aber das Netz hat auch unglaublich tolle Sachen zu bieten. Heute zeige ich Euch einige Beispiele aus den Bereichen Leben und Gesundheit. Ich beginne mit einem „Bild“. Erneut spielt ein Elefant1 darin eine wichtige Rolle.

Der Mahut und der Elefant

Stellt Euch mal einen indischen Elefanten mit einem Mahut2 vor. Es heißt, dass der Reiter über Jahrzehnte mit dem Elefanten verbunden ist. Mit kleinen Körperbewegungen schafft es der Reiter den Elefanten zu steuern, sodass dieser schwere Baumstämme von A nach B zieht. Denn der Elefant ist ein hervorragendes Arbeitstier. Aber, der Elefant hat auch ein Eigenleben. Wenn er hungrig ist, macht er nichts mehr. Auch wenn der Reiter es übertreibt, verweigert der Elefant die Arbeit.

„Diese Geschichte ist ein schönes Bild für das Zusammenspiel zwischen Geist und Körper, genauer: zwischen Willenskraft und Körper“, erklärt Dr. Jan Dreher3 in der PsychCast-Folge4 vom 22.4.2021. PsychCast ist ein Podcast der beiden Mediziner Dr. Alexander Kugelstadt5 und Dr. Jan Dreher.

„Wir Menschen haben ja die Vorstellung: Wir sind das Gehirn und der Körper ist nur ein Anhängsel. Ich muss mir nur was denken, und der Körper macht das schon. Doch dieser Gedanke ist weder wahr noch klug“, warnt Dr. Jan Dreher und verdeutlicht das anhand eines Beispiels:

„Ich will eine Diät machen. Eine Zeit lang geht das gut. Doch auf einmal nicht mehr, worüber ich mir dann den Kopf zerbreche. Aber der Körper macht nicht einfach, was der Geist so sagt – er hat schon seine Grenzen.“

Dr. Jan Dreher empfiehlt daher, mit seinem Körper so umzugehen, wie es ein guter indischer Reiter mit seinem Elefanten tut. Der verlangt nichts von dem Elefanten, was diesem nicht gut tut. Natürlich könne man seinen Körper schon mal herausfordern, aber eben nicht über seine Grenzen hinaus.

Kurzum: Es ist wichtig auf seinen Körper zu hören.

Mich hat das Bild sofort angesprochen. Ihr kennt solche Sätze wie: »Stell Dich nicht so an!«, »Reiß Dich mal zusammen und mach weiter!«, oder: »Jetzt muss es aber gut sein.« Manchmal hören wir solche Sätze von Mitmenschen. Manchmal schelten wir uns auch selbst so. Aber ist diese Härte immer hilfreich, zum Beispiel wenn du vollkommen ausgebrannt bist? Würdest Du auf einen erschöpft am Boden liegenden Elefanten mit der Peitsche eindreschen?

Das folgende Zitat habe ich neulich schon mal gebracht6. Aber es passt auch hier hervorragend hin.

Der Verstand weiß nicht und sagt uns auch nicht, worauf es im Leben ankommt. Er hat keine Ahnung von unseren wahrhaftigen menschlichen Bedürfnissen. Im Gegenteil, ihn können wir ja sogar benutzen, um diese lebendigen Bedürfnisse zu unterdrücken. Und ihm ist es auch egal, wenn wir dadurch krank werden.

— Gerald Hüther7

Der Mahut und der Elefant. Kopf und Körper. – Ich überlege gerade, ob dieses Bild auch für Unternehmen, Behörden, Einrichtungen und so weiter anwendbar ist. Ich glaube schon.

Wenn ich Freund:innen von den Erkenntnissen aus den von mir gelesenen Artikeln, gehörten Podcast-Folgen und so weiter erzähle, werde ich manchmal nach den Links dorthin gefragt. Das ist dann der Punkt an dem ich mir sage: du solltest darüber schreiben. Hier zeigt sich wieder der Vorteil von einem Blog. Mit der Zeit wird er zu einer Linkliste und einem Archiv – für die Leser:innen und für mich.

Ab und an werde ich auch gefragt: »Wie bist Du denn darauf gestoßen?« Meistens geschieht das zufällig, oft aber über Umwege, wie bei dem Bild: Der Mahut und der Elefant. Das schöne an diesem Beispiel ist, das alles was ich auf dem Weg dorthin gefunden habe, lesens- und hörenswert ist.

Bei dieser Geschichte war es ein Tweet8, welcher nur in meiner Twitter-Timeline erschienen ist, weil er von netzpolitik.org retweetet wurde. Netzpolitik.org folge ich seit Jahren, sowohl via RSS als auch bei Twitter. Doch daran lässt sich erkennen, so ganz zufällig bin ich nicht an diese Elefanten-Geschichte gekommen. Meine Informationsblase hatte da ihre Hände mit im Spiel.

Von dem Tweet der Rettungsaffen8 angesprochen, habe ich mich auf deren Website9 umgesehen. Woraufhin ich mir die dort verlinkte Podcastfolge von netzpolitik.org10 angehört habe. Und in eben dieser Podcastfolge ist auch von den beiden oben erwähnten Podcastern Alexander Kugelstadt und Jan Dreher die Rede. Neugierig wie ich bin, habe ich mir dann auch mal einige Folgen vom PsychCast angehört. Und so bin ich auf die oben geschilderte Elefanten-Geschichte aufmerksam geworden.

Auch wenn ich mich wiederhole: Alle hier erwähnten Podcasts und Websites kann ich wirklich empfehlen. Aber die Podcastfolge von netzpolitik.org solltet Ihr Euch unbedingt anhören: „Eine kleine, aber aktive Bewegung will medizinische Inhalte besser zugänglich machen. Auf Blogs, in Podcasts und über soziale Medien teilen Ärztinnen und Sanitäter ihr Wissen miteinander. Ein Einblick in die faszinierende Welt von FOAM – voller Abkürzungen, Fachwörter und Humor.“11 Was die Akteur:innen dort machen, ist einfach grandios. Und es zeigt, was mit dem so oft gescholtenen Internet möglich ist und wie die Digitalisierung richtig gut funktioniert.


  1. Siehe: Zwei Tiere und die Freiheit↩︎

  2. Siehe de.wikipedia.org: Mahut↩︎

  3. Siehe psychiatrietogo.de: Dr. Jan Dreher↩︎

  4. Siehe psychcast.de: PC120 Kleine Helferlein in der Psychiatrie, Psychosomatik & Psychotherapie, 22.4.2021. ↩︎

  5. Siehe kugelstadt.eu: Website von Dr. Alexander Kugelstadt↩︎

  6. Siehe: Ostern 2021↩︎

  7. Aus dem Buch: Lieblosigkeit macht krank, von Gerald Hüther, Seite 170, Verlag Herder GmbH, 2021. Übrigens, auch auf das Buch bin ich über einen Tweet gestoßen. ↩︎

  8. Siehe twitter.com: Tweet von den Rettungsaffen vom 18.4.2021↩︎

  9. Siehe dierettungsaffen.com: #FOAM / #FOAMed kurz und bündig – ein Podcast gibt Einblicke in eine grandiose Idee, vom 18.4.2021. ↩︎

  10. Siehe cdn.netzpolitik.org: NPP 228 zu freier medizinischer Bildung: Aus der Notaufnahme ins Internet↩︎

  11. Siehe netzpolitik.org: NPP 228 zu freier medizinischer Bildung: Aus der Notaufnahme ins Internet vom 17.4.2021. ↩︎