Memo an mich: Zuhören

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Vertrocknete Blüten einer Hortensie

Eigentlich wollte ich nicht darüber schreiben, über meine jüngsten Vorsätze. Ich wollte sie einfach nur befolgen. In dieser Woche las ich in einem Text von einem Zitat, das mich an einen dieser Vorsätze erinnerte. Ich finde das Zitat so gut, dass ich den Vorsatz, nicht über meine Vorsätze zu schreiben, hier schon brechen musste.

Es macht keinen Sinn, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben. Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.

Steve Jobs 1

Es geht mir um das Zuhören. »Hör doch mal zu, was sie oder er zu sagen hat! Lass sie ausreden! Die Chance von ihr oder ihm zu lernen ist groß.«

Hören tue ich sehr viel am Tag. Allerdings höre ich nur schlecht. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Zuhören ist die Steigerungsform vom Hören. Denn Zuhören ist aufmerksames Hören. 2

Aber ich höre nicht nur viel am Tag, ich rede auch sehr oft und meistens gern. Doch ich ertappe mich häufig dabei, dass ich mehr rede als zuhöre; dass ich mir schon die Antwort zurechtlege, obwohl mein:e Gesprachspartner:in noch nicht ausgeredet hat.

Das Problem daran ist: Kommunikation funktioniert nur erfolgreich, wenn die Gesprächspartner:innen sich einander zuhören. Zuhören ist also eine elementare Grundlage für Kommunikation. Ist logisch. Und warum tue ich es so oft nicht?

„Das aktive Zuhören ist oft mühsame Arbeit und eine selbstlose Leistung bei der wir vorübergehend eigene Impulse zurückstellen“, schreibt Friedemann Schulz von Thun, 3 und: „Wirkliches Zuhören ist weit mehr, als den anderen bloß ausreden zu lassen, was eher einer ‚akustischen Duldung‘ gleichkommt.“ 3

Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass meine Aufmerksamkeitsspanne bei Gesprächen nachgelassen hat; nicht plötzlich, sondern kaum wahrnehmbar in den vergangenen Jahren. Gründe dafür fallen mir mehrere ein.

Zum Beispiel der Klassiker: Liegt es an der unglaublichen Fülle von Informationen, die ich über die „neuen“ Medien auf mich einprasseln lasse? Mag sein. Kürzlich habe ich mir einige Wochen Entgiftung gegönnt. Es hat mir gut getan. Aber nach einiger Zeit fühlte ich mich „abgeklemmt“.

Es ist schon irre. Ich habe noch die Zeit erlebt, in der die Fernseher gerade mal zwei bis drei Programme ausgestrahlt haben. Wenn man das mit der Menge an Informationskanälen von heute vergleicht, dann daran denkt, wie viele unterschiedliche Informationsblasen dort senden und empfangen – Wahnsinn. Ich empfinde das nicht selten als Reizüberflutung.

Aber wenn ich genauer hingucke, besteht das Gros der „Informationen“, die ich erfasse, nur aus „Überschriften“. Dabei fehlt es nicht an detailierten, fundierten und verständlichen Informationen. Wie viele Artikel, Videos und so weiter habe ich mir schon weggespeichert um sie bei Gelegenheit mal zu lesen. Aber dann sind da schon wieder die neuen „Überschriften“ die ich bei Gelegenheit mal … Und so sammele ich weiter, Beiträge um Beiträge. Wäre das Papier, müsste ich mir eine Lagerhalle anmieten.

Ich finde das alles andere als zufriedenstellend. Wo bleibt da die Wissens-Tiefe? Früher oder später erzeugt das innere Unruhe – ein ständiges Rauschen im Kopf.

Vielleicht ist das wirklich ein Grund dafür, dass mir das Zuhören sehr oft sehr schwer fällt.

Warum mich das ärgert? Aktives Zuhören bedeutet auch, Gesprächspartner:innen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Was sagt das also über mich aus, wenn ich darin schwach bin?

Hinzu kommt, ich lerne gern dazu. Aber wenn ich nicht oder nicht richtig zuhöre, beraube ich mich selbst. Wie viele Informationen, wie viel Wissen geht verloren, weil es an der Kommunikation scheitert?

Memo an mich: Zuhören.

Nebenbei:

In den Sätzen von Steve Jobs steckt meines Erachtens noch ein Aspekt. Es geht um das Thema Hierarchie. Hierarchie ist für die Kommunikation eine Hürde. Sie ist nicht barrierefrei. Sie ist wie eine Treppe. Eine Treppe, oder sogar mehrere zu besteigen, kann beschwerlich sein – auch für Informationen, für Wissen.

Diesen Text habe ich am 10.1.2021 geschrieben, aber erst am 16.1.2021 veröffentlicht. Warum auch immer.


  1. Quelle www.basicthinking.de: Mitarbeiterführung: Ein essenzieller Tipp von Steve Jobs für alle Chefs, 6.1.2021. [return]
  2. Siehe de.wikipedia.org: Zuhören [return]
  3. Siehe: Miteinander reden von A bis Z, Lexikon der Kommunikationspsychologie, von Friedemann Schulz von Thun und anderen, veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag, 3. Auflage August 2017, Seite 254. [return]