Fragen über Fragen

Ich finde das Thema spannend. Darum habe ich mich mal gefragt: Was fällt dir zu Fragen ein?
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Ein Weidegatter aus Holz

Fragen über Fragen

Kennt Ihr das Phänomen, je tiefer du in eine Materie eindringst, desto mehr Fragen stellen sich dir. Dabei wolltest du doch nur nach einer Antwort suchen. Manchmal finde ich das spannend, ein anderes Mal sehr nervig. It depends. Die Frage ist: Wie wichtig ist mir die Antwort? Wie sehr interessiert mich das Thema? Wie viel Zeit habe ich, micht damit zu beschäftigen?

Die COVID-19-Pandemie ist ein schönes Beispiel. Wie viel weiß ich von dem Virus? Wie tief habe ich mich in das Thema eingearbeitet? Reicht das, um haltbare Antworten auf die Frage geben zu können: Wie können wir uns gegen COVID-19 schützen?

Fragen kostet nichts

Stimmt das überhaupt? Kosten Fragen nichts? Tatsächlich gibt es Fragen, die mir teuer zu stehen kommen können; zum Beispiel, wenn ich die Frage in einer üblen Beleidigung verpacke.

Auch Fragen an Fachleute können ins Geld gehen. Genau genommen sind es nicht die Fragen, sondern die Antworten, für die ich dann berappen muss.

Und dann sind da noch die Fragen, die mich Überwindung „kosten“. Im Hinterkopf steht dabei die Angst; zum Beispiel die Angst, dass mich „die Leute“ anschließend für doof erklären, oder die Angst vor der Autorität: Darf ich es wagen, Prinz Eisenscherz, den Rächer der heiligen Kokusnuss, eine Frage zu stellen?

»Wollen wir uns mal zum Kaffee treffen?« So banal die Frage auch daherkommt, sie hat schon so manche:n Liebesschwärmer:in ins Schwitzen gebracht. Aus Furcht, dann ein Nein zu kassieren, hat viele schweigend gelassen.

Der, die, das, wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm!

— Liedtext aus der Sesamstraße

Gute Frage! Warum frage ich eigentlich? Ich frage, weil ich weiterkommen möchte; weil ich mir von der Antwort ein mehr als vorher verspreche.

»Ach, das brauche ich den gar nicht zu fragen.« Es gibt viele Gründe für so einen Gedanken: »Ich habe den noch nie ein Eis essen gesehen. Der mag bestimmt keines«, oder: »Der ist komisch. Bestimmt ätzt der dann nur rum«, oder: »der hat bislang immer meine Hilfe ausgeschlagen.« Das Problem: Stellvertretend für jemanden zu antworten, ohne diesen tatsächlich gefragt zu haben, beraubt mich und den, den ich nicht frage, um eine Chance.

Ungefragt

Jemandem zu helfen ist super. Allerdings, ungefragt zu helfen, kann auch das Gegenteil bewirken. »Verdammt, warum fragst du mich nicht voher?!« Weil: »Ich hätte das Problem gern auf eine andere Weise gelöst«, oder: »Ich hätte mich lieber selber darum gekümmert«, oder: »Ja, ich brauche dafür Hilfe, aber ich will sie nicht von dir!«, und so weiter.

Gut gemeint heißt nicht zwangsläufig, dass das auch gut ankommt. So mancher „Gast“ hat sich schon gefragt: »Warum freut sie sich nicht über meinen spontanen [ungefragten] Besuch?«

Zu fragen kann daher auch bedeuten, Toleranz zu üben: Ich gebe dir die Möglichkeit, ja oder nein zu sagen, und werde, wie immer die Antwort ausfällt, sie akzeptieren.

Aber: „Schlafende Hunde sollte man nicht wecken.“ Hier und da, empfiehlt es sich vielleicht auch mal, nicht zu fragen, um unnötigen Ärger zu vermeiden.

Wie man in den Wald hineinruft …

… so schallt es heraus. Und wie immer wenn wir kommunizieren, kommt es auch beim Fragen sehr auf das Wie an. Wenn mir die Antwort wichtig ist, dann sollte ich mir über das Wie schon ein paar Gedanken machen. Dabei ist nicht nur die Betonung von Bedeutung, sondern auch die Genauigkeit. Je präziser die Frage, desto größer ist die Chance, darauf eine präzise Antwort zu erhalten.

Auch über das Wann darf ruhig nachgedacht werden. Es geht hier nicht nur um den richtigen Zeitpunkt. Beispiel: »Die Antwort habe ich in meinen Infos dazu geschrieben. Hast du dir die denn schon durchgelesen?« »Nö. Ich dachte, das kannst du mir jetzt mal kurz erklären.« Motivation geht anders.

Fragen – weil, was weiß ich schon? Denn ich lerne gern dazu.

Update:

Etwas zu hinterfragen ist meistens eine gute Idee. Noch besser ist es, dabei auch mal den Blickwinkel zu wechseln – und zum Beispiel sich selbst, das eigene Denken und Handeln zu hinterfragen.1 Finde ich. Jedenfalls.


  1. Eigentlich wollte ich diesen Punkt mit einem eigenen Text würdigen. Aber wer weiß, was mir bis dahin sonst noch einfällt. ;-) ↩︎