Entscheidend ist, wie es ankommt

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Ein Feldweg führt auf eine Stadt zu. Im Hintergrund die Silhouette der Stadt, die im Nebel liegt.

Das Thema Kommunikation ist riesig. Und ich finde es faszinierend. Ein Grund dafür ist, dass ich mich dabei auch mit mir selbst beschäftigen muss.

Wenn ich von Kommunikation spreche, denke als Erstes an die Sprache. Womit ich das gesprochene oder geschriebene Wort meine. Aber Kommunikation ist noch weit mehr als das. „Wir können nicht nicht kommunizieren“, lautet das erste Axiom von Paul Watzlawick. Meine Körperhaltung, meine Augen, meine Mimik, meine Gestik, meine Frisur, meine Brille, meine Kleidung – mit allem kommuniziere ich. Damit „sage“ ich etwas über mich, ob bewusst oder unbewusst.

Aber zurück zur Sprache. Unsere Sprache verändert sich ständig. Panta rhei, alles fließt. Vor 20 Jahren wurden Begriffe wie Router, Server, Firewall, Browser, Smartphone nur von „Insidern“ verwendet. Und heute? Ein Freund von mir sagte mal: »Die Sprache der Informationstechnik ist Englisch.«

Natürlich ist es nicht die Technik selbst, die solche Begriffe verbreitet. Es sind die Fachleute, die Expertïnnen, die sich damit beschäftigen und die Begriffe aus ihren Fachbereichen kommunizieren. Und wie aus dem Bereich der Informationstechnik, fließen auch aus unzähligen anderen Bereichen1 nahezu ständig Begriffe in unseren Sprach-Alltag. Denken wir nur mal an die COVID-19-Pandemie. Wie viele Begriffe aus der Virologie und der Epidemiologie kursieren heute in den Medien?

Auch die Jugendsprache verändert unsere Sprache. Begriffe, die ich als Jugendlicher verwendet habe und bei denen meine Eltern verzweifelt die Augen verdrehten, finden sich heute im Duden wieder. Kaum jemand stört sich noch daran.

Andere Begriffe dagegen verschwinden aus unserem Sprach-Alltag. Manchmal geschieht das einfach nur, weil sie mit der Zeit immer weniger verwendet werden. Wenn kaum noch jemand Durchschreibepapier oder Korrekturflüssigkeit benötigt, sind auch Begriffe für solche Gegenstände seltener zu hören. Genauso verhält es sich mit Verben, die Tätigkeiten beschreiben, die es kaum noch gibt. Auch diskriminierende Bezeichnungen von zum Beispiel Lebensmittel verschwinden nach und nach aus dem Alltag unserer Sprache. Und so weiter.

Okay, unsere Sprache ist also ständig im Wandel. Doch auch dieser Wandel hat etwas mit Kommunikation zu tun.

Denn wenn sich unsere Sprache verändert, ändert sich nach und nach auch mein Wortschatz. Ich lerne zum Beispiel Wörter, die mir zuvor fremd waren. Und das geschieht, weil ich davon gelesen oder gehört habe, weil ich an Kommunikationen teilgenommen habe. Wenn ich diese Wörter dann selbst verwende, bin ich ein Mulitplikator. Kommuniziernd trage ich einen winzigen Teil dazu bei, dass sich unsere Sprache verändert.

Natürlich kann ich auch versuchen, mich dem zu entziehen. Ich benutze einfach keine Fremdwörter oder gendere nicht. Ich schweige das aus. Doch auch das ist Kommunikation. Indem ich etwas nicht mache, „sage“ ich etwas.

Mit dem Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun lässt sich das gut erklären.

Wenn ich als Mensch etwas von mir gebe, bin ich auf vierfache Weise wirksam. Jede meiner Äußerungen enthält, ob ich will oder nicht, vier Botschaften gleichzeitig.

Schulz von Thun Institut für Kommunikation

Üblicherweise denke ich nur an die Sachinformation. Ich will über etwas informieren. Aber wie auch immer ich das tue, kommuniziere ich in vierfacher Weise. Schnell kann es mir dann passieren, dass ich mit einem Satz mehr von mir und von dem was ich von meiner meiner/meinem Gesprächspartnerïn halte, erzähle, als ich auf der Sachebene übermittelt habe.

»Nein! So meinte ich das doch gar nicht!« So habe ich mich auch schon oft versucht zu rechtfertigen. Aber: Entscheidend ist, wie es ankommt.

Mich so auszudrücken, dass meine Sachinformation verstanden wird, kann schon schwierig sein. Noch schwieriger wird es, wenn ich an die drei anderen Botschaften denke: Selbstkundgabe, Beziehungsebene und Appell. Was sagt das über mich, wenn ich nicht gendere? Was zeigt das von meiner inneren Haltung? Wie stehe ich zu den Mitmenschen, die sich dadurch ausgeschlossen fühlen? Was möchte ich bei denen erreichen?

Aus Gründen wie diesen, finde ich Kommunikation so spannend. Wenn ich mich mit dem Thema beschäftige, muss ich mich zwangsläufig mehr reflektieren. Aber auch meine Mitmenschen lerne ich vielleicht ein bisschen besser zu verstehen. Und es bieten sich mehr Möglichkeiten, auf sie einzugehen.


  1. Bereiche: Damit meine ich nicht nur Berufe. Auch aus dem jeweiligen Bereich von Sportarten, Interessensgebieten, Szenen und so weiter, etablieren sich immer mal wieder Begriffe in unseren Sprach-Alltag. ↩︎