Die Kraft der Gemeinschaft

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Ein See im Dämmerlicht. Darauf schwimmen Vögel. Im Hintergrund sind Berge zu sehen.

»Entschuldigen Sie!«, unterbrach ich ihn, »Schauen Sie mal!« Ich zeigte hinaus. Am Himmel waren mehrere Vogelschwärme zu sehen, wie sie in V-Formation vorüberzogen. Er drehte sich um und schaute ebenfalls, wie von dem Anblick magnetisiert den Vögeln hinterher. »Mich fasziniert dieser Anblick«, flüsterte ich. Er nickte. »Mich auch.«

Warum ist das so, habe ich mich später gefragt. Was fasziniert mich daran? Ist es das Fernweh? Das scheint naheliegend. Doch zufrieden stellt mich die Antwort nicht. Ich fühle dabei eine Sehnsucht. Aber den Grund dafür vermag ich nicht zu benennen.

Zwei Tage danach sandte mir mein Gesprächspartner einen Text zu. Er trägt die Überschrift: „Die Kraft der Gemeinschaft“. Anschließend habe ich mich mal ein bisschen im Netz umgesehen. Hier ein paar Informationen aus der Wikipedia:

„Das Fliegen in einer V-Formation hilft den Vögeln eines Schwarms, weite Flugstrecken energieeffizient zu bewältigen. […] Die Vögel wechseln sich an der Spitze regelmäßig ab. So wird die Beanspruchung gleichmäßig auf viele bis alle Mitglieder des Schwarms verteilt […] Die V-Formation erleichtert die Verständigung untereinander und erlaubt den Vögeln, Sichtkontakt miteinander zu halten und die Position der Nachbarn zu kennen. Eine gute Positionsbestimmung der Nachbarvögel dient der Vermeidung von Kollisionen. Die bessere Kommunikation untereinander kann eine Rolle für die Orientierung spielen.“ 1

Und darum geht es auch in dem besagten Text: Was können wir von diesen Zugvögeln lernen? Wenn wir zusammenhalten, wenn wir die Ziele gemeinsam verfolgen, kommen wir schneller und besser voran. Wir sind effizienter und effektiver. Auch das regelmäßige Wechseln der Führungsposition spart Ressourcen. Und es wird deutlich, wie wichtig eine funktionierende Kommunikation in der Gemeinschaft ist.

Der Text2 ist im Netz unter verschiedenen Titeln zu finden: „Die Lektion der Wildgänse“, „Was wir von dem Flug der Wildgänse für unser eigenes Leben lernen können“, und so weiter. Den letzten Absatz des Textes mag ich besonders gern. Aber ich habe dazu noch keinen fundierten Beleg gefunden. Gleichwohl möchte ich ihn zitieren:

„Wenn eine Gans krank oder verwundet wird und nicht mehr weiter fliegen kann, verlassen zwei andere Gänse die Formation und begleiten sie auf ihrem Weg nach unten, um ihr zu helfen und sie zu beschützen. Sie bleiben solange bei ihr, bis sie wieder fliegen kann, oder bis sie stirbt. Dann schließen sie sich einer anderen Formation an oder versuchen, den eigenen Schwarm wieder einzuholen.“ 2

Die Lektion, die wir daraus lernen sollen, fasse ich mal mit einem Wort zusammen. Ein Wort, was seit Wochen in meinen Gedanken kreist, worüber aber selten zu lesen ist: Barmherzigkeit.


  1. Siehe de.wikipedia.org: V-Formation [return]
  2. Update: Leider habe ich nicht herausfinden können, wer die/der Verfasser:in des Textes ist. Im Netz ist er mehrmals vollständig, aber in leicht unterschiedlichen Versionen zu finden. Liebe Leserin, lieber Leser, solltest Du den Namen der Verfasserin / des Verfassers kennen, wäre ich für einen entsprechenden Hinweis sehr dankbar. [return]