Depression. Warum schreibe ich darüber?

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Das Blattwerk von verschiedenen Laubbäumen. Im Hintergrund ein paar Wolken und vor hellblauem Himmel.

Vielleicht habt Ihr Euch schon gefragt, warum es hier in den vergangenen Wochen so ruhig war. Nun, ich leide unter einer Depression und Angststörungen. Das hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen.

Die Erkrankungen schleppe ich schon eine ganze Weile mit mir herum. Ich habe auch schon mal darüber gebloggt, den Text aber nie online gestellt. Ich war wohl noch nicht mutig genug.

Eben habe ich mal nachgeguckt, den Text habe ich geschrieben, zwei Tage bevor meine Mom einen Schlaganfall bekommen hat. Schnell stand fest, dass sie sich davon nicht erholen wird. Zehn Tage hat sie noch gekämpft. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich in dieser Zeit bei ihr sein durfte. Gleichzeitig waren diese Tage für mich noch mal sehr traumatisch.

Dieses Erlebnis ist sicherlich auch ein Grund dafür, weshalb ich vor ein paar Monaten in ein „tiefes Loch gefallen“ bin. Und gleichzeitig ist die Krankheit meiner Mom ein Grund dafür, dass ich nun über meine Krankheiten schreibe.

Meine Mom war an Demenz erkrankt. Über meine Beobachtungen und Erfahrungen als Angehöriger, habe ich hier einige Texte veröffentlicht.1 Die Demenz ist auch so eine Krankheit, die wir gern „umschiffen“, worüber wir nicht gern reden. Ich schreibe bewusst „wir“, denn ich nehme mich davon nicht aus. Gleichwohl habe ich die Krankheit hier zum Thema gemacht. Vorher habe ich lange überlegt, ob ich das tun sollte.

Dennoch darüber zu schreiben, hat mir geholfen. Schreiben ist mehr als nur darüber zu reden. Beim Schreiben sortiere ich meine Gedanken besser. Meistens.

Der andere Grund, der mir vielleicht sogar noch wichtiger war, ist der, dass ich helfen wollte diese „Beklemmungen“ die viele von uns beim Thema Demenz und bei dem Umgang mit an Demenz erkranken Mitmenschen empfinden, zu beseitigen. Ein Text macht das besonders deutlich: „Wir müssen die Demenz vom Schamgefühl befreien“.2

Auch Depressionen und Angststörungen sind Krankheiten, mit denen viele nicht klar kommen. Ich auch nicht. Sie sind irgendwie – peinlich. Dieses Stigma wirkt für die Betroffenen wie eine zusätzliche Krankheit.3

»Du musst die Krankheit annehmen. Das ist für die Genesung sehr hilfreich.« Das habt Ihr bestimmt auch schon mal gehört oder gelesen. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist das aufgrund des Stigmas eine noch größere Herausforderung.

Ein Symptom dieser Ausgrenzung ist die Sprachlosigkeit - in meinem Fall auf beiden Seiten. Auf der einen Seite fehlen mir häufig selbst die Worte, um das Chaos in mir zu erklären. Auf der anderen Seite spüre ich geradezu schmerzhaft, wenn Mitmenschen mir ausweichen, wenn sie nicht darüber sprechen können oder wollen.

Dass ich hier nun beginne über meine Krankheiten zu schreiben, ist für mich ein Weg, das auch in meinem Kopf vorhandene Stigma gegenüber den psychischen Erkrankungen zu enttabuisieren, und damit hoffentlich auch aufzulösen.

Gleichzeitig würde ich mich freuen, wenn mein Umgang mit den Krankheiten, meine Beobachtungen und Erfahrungen dazu beitragen, die eventuell auch bei Euch vorhandene Scheu zu nehmen – sodass wir künftig unbefangener über psychische Erkrankungen sprechen können.


  1. Die Texte findet Ihr unter dem Thema Demenz↩︎

  2. Siehe: Wir müssen die Demenz vom Schamgefühl befreien, 16.9.2017. ↩︎

  3. Im Netz findet ihr darüber einige Informationen. Der Psychiater und Nervenarzt Asmus Finzen hat darüber auch ein Buch geschrieben: „Psychose und Stigma: Stigmabewältigung - zum Umgang mit Vorurteilen und Schuldzuweisungen“. ↩︎