Bärlauchblüte an der Schildburg

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Ein Wanderweg zwischen alten Bäumen. Auf dem Weg zur Schildburg.

Er liegt quasi direkt vor meiner Haustür, und doch habe ich ihn gefühlte Ewigkeiten nicht mehr bewandert. Ich meine den Schildberg1 in Lügde. Hier in Lügde ist er eher unter der Bezeichnung „das Schild“ bekannt. »Wo warst’n?« »Auf’m Schild.«

Gestern war ich also auf’m Schild, dem Abenteuer-Spielplatz meiner Kindheit. Als Kind habe ich mit meinen Kumpels viele, viele Nachmittage in dem Wald verbracht. Und heute ist es ein Naturerlebnispfad2, der den Berg „erlebbarer“ macht.

Ja, okay, ich soll nicht immer so frotzeln. Sorry! Aber als jemand der sich schon immer gern in der Natur aufgehalten hat, ist das natürlich komisch, wenn Natur erst erlebbarer gemacht werden muss. Natur spricht für sich selbst. Und leider, viel zu oft, zeigt sie uns dabei das Spiegelbild unseres Handelns.

Doch zurück zum Schild. Es gibt dort „oben“ auch eine Burg3, von der nicht mehr viel zu sehen ist. Und dennoch ist sie sehenswert. Gestern zum Beispiel war sie nahezu vollständig in einem Teppich aus Bärlauchblüten gehüllt.

Unzählige weiße Blüten zwischen Bäumen. Teppiche aus Bärlauchblüten.

Ich weiß ja, dass auch einige naturliebende Wander:innen unter meinen Leser:innen sind, die auch gern mal mit der Bahn anreisen, um eine schöne Strecke zu erwandern. Der Bahnhof in Lügde liegt sozusagen am Fuße von Schildberg und Kirchberg4. Vom Bahnhof sind es nur ein paar Hundert Meter bis zum Naturerlebnispfad5.

Bevor ich gestern auf den Spuren meiner Kindheit gewandert bin, habe ich nochmal ein Buch gelesen, das mir eine Freundin vor über 25 Jahren geschenkt hat. In ihrer Widmung meint sie, dass es so scheint, als sei das Buch geradezu für mich geschrieben worden.

Überwinde den Raum, und alles, was uns übrigbleibt, ist Hier. Überwinde die Zeit, und alles, was uns übrigbleibt, ist Jetzt.

— Richard Bach6

Im Vordergrund die Blüten einer Schlüsselblume. Im Hintergrund weiße Blüten von Bärlauch und Waldmeister. Im Hier und Jetzt. Gelbe Akzente vor weißer Kulisse.

Update: 18.5.2021

Den Link zu diesem Text hatte ich einer Freundin zugesandt. Zu ihren vielfältigen Interessensgebieten gehören das Erkunden neuer Wanderstrecken und das Fotografieren. Offensichtlich hat sie mein Text, die Fotos, oder beides inspiriert. Denn nur wenige Tage nachdem ich ihr den Wandertipp gegeben habe, hat sie die Strecke zusammen mit zwei Freund:innen erkundet. Ich bat Doris, mir mal eine Bewertung zum Wanderweg zu schreiben. Natürlich habe ich ihr auch freigestellt, ihre Kritik mit Sternchen zu garnieren. Hier also ihr Kommentar zum Naturerlebnispfad am Lügder Schildberg:

Der beschriebene Weg erfüllte voll und ganz meine Erwartungen. In einigen Bereichen übertraf er sie sogar. Das Thema dieser Empfehlung des Bloggers betraf, zumindest was mich betrifft, die Bärlauchblüte. Diese wurde vollumfänglich erfüllt. Die Erwartung meine ich. Visuell und olfaktorisch fast zuviel des Guten.

Dann gab es aber für mich als Vor- und Frühgeschichtsfan eine wunderschöne Überraschung: ein alter Ringwall. Ringwälle sind nicht immer das gewesen was die Experten zu glauben wissen, oder zu wissen glauben. Ich hoffe diese Formulierung macht dem geneigten Leser bereits klar, daß man entweder glaubt oder weiß. Beides ist schwer vereinbar. Aber weitere Ausführungen über meinen Wissensglauben möchte ich hier nicht weiter anbringen.

Um zu dem Ringwall zu gelangen mußte man den Hauptweg verlassen und sich mitten durch die Bärlauchblüte schlagen. Allein das war schon ein Genuß, dieses Wegstück. Verwunschem kam es mir vor. Das war jedenfalls das Wort was mir durch den Kopf ging. Angeregt wurde mein Ver-Wunsch-denken wahrscheinlich schon vorher, bei der Hexenbank. Hexen gab es hier ? Toll, da muß ich hin. Wo war der Tanzplatz? Immer oben auf einer Bergkuppe, wie beim Brocken. Schade, daß mein Nimbus zu Hause in der Veranda steht.

Der Rück- wie auch der Hinweg wurde am Wegesrand von seltenen Pflanzen gesäumt, die die Kräuterhexe der kleinen Gruppe erfreuten. Und nicht zu vergessen die Maiglöckchen. Endlich mal wieder Maiglöckchen gefunden. Das Sinnesorgan, das noch den olfaktorischen Überreiz des Bärlauchs zu verarbeiten hatte, bekam zum Nachriechen den lieblichen Duft der Maiglöckchen mit auf den Weg.

Der Schildberg wird von uns ganz bestimmt nicht das letzte mal begangen worden sein. Spätestens zur nächsten Walpurgisnacht. Versprochen!

Von mir ganz klar 5 Sternchen!


  1. Siehe de.wikipedia.org: Schildberg in Lügde (Naturschutzgebiet). [return]
  2. Siehe www.teutoburgerwald.de: Naturerlebnispfad am Lügder Schildberg. [return]
  3. Siehe de.wikipedia.org: Burg Schildberg in Lügde. [return]
  4. Siehe www.openstreetmap.org: Kartenausschnitt Bahnhof Lügde mit Schildberg und Kirchberg. [return]
  5. Siehe www.outdooraktive.com: Naturerlebnispfad am Lügder Schildberg [return]
  6. Aus dem Buch Die Möwe Jonathan von Richard Bach. Verlag Ullstein GmbH, 1993, 6. Auflage, Seite 53. [return]