Zuschüsse für bepflanzte Flächen (Update: 1.3.2020)

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Viele verschiedene Pflanzen vor einer Hausecke Grün statt Grau

Als ich vor rund sieben Jahren mal erklärte, dass auch die Pflege eines Gartens ein Ehrenamt ist1, bin ich von den meisten Mitmenschen belächelt worden. Heute werden das vermutlich nicht mehr so viele tun. Denn angesichts des Klimawandels und seiner dramatischen Folgen wird auf der Suche nach möglichen Stellschrauben in alle Ecken geschaut – auch in die Gärten.

Und was sehen wir dort wo Gärten sein könnten immer häufiger? Schotter, also überwiegend Steine. Deswegen werden diese Flächen auch gern Schottergärten genannt. Meines Erachtens ist das ein Euphemismus. Denn die meisten dieser Flächen haben mit einem Garten nichts mehr gemein.

Der dem Wort in der heutigen Form zugrundeliegende Begriff ist „umfriedetes Land zum Zweck des Anbaus von Pflanzen“.

— de.wikipedia.org: Garten

Ein Garten ist für mich ein Garten, wenn Pflanzen darin den Ton angeben.

Zwischenzeitlich hat sich aber rumgesprochen, versteinerte Flächen sind blöd – für die Natur und für das Klima. Und deswegen wird allenorts darüber nachgedacht, wie man die Eigentümer:innen solcher Flächen dazu ermuntern kann, sie wieder in Gärten umzugestalten. Das finde ich gut.

Also suchen die Akteure, meistens sind das Kommunen, nach Lösungen. Wobei einige von ihnen auf den Gedanken gekommen sind, dass sie die Bürger:innen nicht dauernd mit Verboten gängeln möchten. Auch das finde ich gut. (So weit waren wir hier auch schon mehrmals, Beispiel).

Ein Lösungsansatz ist, den Eigentümer:innen der Schotterfächen einen Zuschuss zu gewähren, wenn sie auf den Flächen wieder einen Garten anlegen. Allerdings müssen sie sich verpflichten, die Begrünung für mindestens $Jahre zu erhalten.2 Das finde ich doof. Das ist, als würde ich Raser:innen auf Autobahnen einen Zuschuss gewähren wollen, wenn sie sich verpflichten, ein Jahr nicht schneller als 130 Stundenkilometer zu fahren.

Was werden wohl diejenigen Mitmenschen denken, die sich schon lange für den Erhalt der Natur und für den Klimaschutz einsetzen? Mitmenschen, die schon immer einen Garten voller Pflanzen hatten und den gepflegt haben? Mitmenschen, die sich keinen schlanken Fuß gemacht haben, als es um die Arbeit ging, die die Pflege von einem Garten mit sich bringt? Mitmenschen, die nicht die Hecken rausgerissen und durch Metallzäune ersetzt haben, weil, die muss ich nicht zweimal im Jahr schneiden?

Mein Vorschlag: Zuschüsse erhalten diejenigen, die schon seit $Jahre einen Garten pflegen. Belohnt werden die, die Vorbild sind; die es nicht sind, werden aber auch nicht bestraft. Und auch für sie besteht der Anreiz, sich einen Zuschuss zu erarbeiten.

Eine Freundin, der ich von der Geschichte erzählte, warnte zu Recht, das darf aber nicht zu bürokratisch werden. Spontane Idee: Vielleicht lässt sich an der Stelle die Aktion „Tag des offenen Gartens“ verknüpfen. So nach dem Motto: Bewerten Sie diesen Garten. Bewertungskriterien könnten sein: Gibt es blühende Pflanzen? Sind Schutzecken für Vögel und Kleintiere vorhanden? Ist der Garten mit einem Zaun oder einer Hecke eingerahmt? Wie ist das Verhältnis von Baumbestand zur Gartenfläche? Und so weiter.

Lenken wir mal kurz den Blick weg von den Gärten: Wenn wir über uns über das Thema Grün statt Grau3 unterhalten, sollten wir uns auch die Friedhöfe und die öffentlichen Flächen ansehen. Auch dort finden wir statt Pflanzen immer häufiger besteinte Flächen.

Soll heißen: Wenn wir über Prämien für Pflanzenflächen sprechen, sollten wir auch an die Gräber auf den Friedhöfen denken. Wenn wir die Umgestaltung von Steinflächen in Pflanzenflächen im öffentlichen Raum fordern, dann muss uns klar sein, dass das zusätzliche Pflege, also zusätzliche Arbeit erfordert. Das heißt: Egal ob die Pflege von einer Gärtnerei oder vom zuständigen Bauamt vorgenommen wird, wir werden mehr Geld dafür in die Hand nehmen müssen.

PS: In dem Artikel „Wie Kommunen Schottergärten verhindern können“2 ist von einem „Förderprogramm zur Entsiegelung von Vorgärten“ die Rede. Diese Überschrift war mit zu bürokratisch und zu lang. Außerdem thematisiert sie nur Vor-Gärten. Daher habe ich mich für den Titel „Zuschüsse für bepflanzte Flächen“ entschieden.

Update 1.3.2020:

Es gibt eine Fortsetzung zu diesem Text. Darunter stand auch der folgende Absatz. Da er thematisch aber besser zu diesem Artikel passt, habe ich ihn hierher geschoben.

Ich bezweifle, dass ein Verbot von „Schottergärten“, die ja keine Gärten sind, die richtige Lösung ist. „Schottergärten“ sind meines Erachtens nicht nur der Bequemlichkeit geschuldet. Sie sind auch ein Trend. Es gibt nach meiner Beobachtung viele Menschen, die solche Gärten schön, geradezu ästhetisch finden. Viele Designer, Architekten und so weiter, die hier als Stakeholder vorangehen, haben dazu ihren Beitrag geleistet. Vermutlich haben hier Zen-Gärten den Impuls gegeben. Wie wäre es, wenn wir versuchen, diesen Trend mit guten Beispielen umzukehren? Indem wir zum Beispiel die „Stakeholder“ von den Vorteilen eines üppig grünen Gartens überzeugen.

Und hier der Link zur Fortsetzung: Verbote kosten dem Steuerzahler kein Geld.