Welche Normalität?

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Abgestorbene Bäume in einem Wald Lügde, Stadtholz, 2.8.2020.

»Hi! Na, wie geht es Ihnen?« »Gut! Kein Wunder bei dem Wetter«, sie zeigte nach oben zur Sonne. »Meins ist das nicht«, gestand ich, »acht Stunden bei Temperaturen um die 30°C im Büro zu arbeiten, das schlaucht.« »Ja, aber die Kinder können ins Freibad!« »Die Freibäder sind ziemlich voll. Haben sie keine Angst? Covid-19 ist nicht weg.« »Stimmt, aber die Kinder brauchen Normalität.«

Welche Normalität?

Im Sommer gehen wir ins Freibad und im Winter fahren wir mit Schlitten die verschneiten Hügel hinunter? Im Sommerurlaub fliegen wir in den Süden um an den Stränden zu chillen und im Winterurlaub fahren in die Berge zum Skifahren?

Normalität bezeichnet in der Soziologie das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss.

— de.wikipedia.org: Normalität

Wir kennen die Jahreszeiten und wir kannten ihre Tänze.

Alles war selbstverständlich. Und heute? Heute ist da dieses für uns Menschen sehr gefährliche Virus, dessen Wirkungen wir noch lange nicht vollständig erforscht haben und dementsprechend nur unzureichend wissen, wie wir es bekämpfen können. Was wir aber wissen ist, es ist nur ein Virus. Andere, mit wesentlich schädlicheren Wirkungen können folgen – jederzeit.

Aber das verdrängen wir.

Leise rieselt der „Schnee“.

Wir sehen, wie unzählige Bäume in den Wäldern sterben. Wir können ihnen dabei sogar zuhören. Du kannst, wenn du mal duch die Wälder gehst, wirklich hören, wie ihr „immergrünes“ Kleid leise zu Boden rieselt. Und was machen wir?

Teppiche aus Tannennadeln.

Die Kinder brauchen Normalität!

Nur die Kinder? Kann es sein, dass wir die eigenen Bedürfnisse gern mal hinter denen der Kinder verstecken? Ich glaube, nicht nur die Kinder wollen Normalität. Aber eine Normalität, wie wir sie ihnen vorgelebt haben, wird es nicht mehr geben. Wir, die sogenannten Erwachsenen, sollten uns das eingestehen. Je eher wir das tun, desto schneller können wir retten was noch zu retten ist.

Doch die Jahreszeiten haben ihre Tänze geändert. Einige Schrittfolgen sind weggefallen, andere hinzugekommen – und viel mehr Drehungen. Tänze, die uns Menschen schwindelig werden lassen.