Was tue ich?

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Eine Wiese vor einem Waldrand. Auf der Wiese steht eine Kastanie. Rechts ist ein Stück von einem Weg zu sehen.

Anlässlich des Tags der Befreiung1, der heute in Berlin als offizieller Feiertag begangen wird, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass nicht wir befreit wurden. Europa wurde von uns befreit.

Es ist zynisch, wenn wir jetzt so tun, als seien wir Deutschen, quasi alles unschuldige Passanten, von den fiesen Nazis befreit worden.

Wir wurden nicht von den Nazis befreit. Wir waren die Nazis.

— Felix von Leitner, blog.fefe.de, 8.5.2020

Ich finde diesen Einwand von Fefe berechtigt. Wir alle kennen vergleichsweise banale Beispiele aus dem Alltag: Wenn etwas aus dem Ruder gelaufen ist – nachher will es niemand gewesen sein. Stattdessen zeigt jeder auf den anderen: Der war es!

Doch wir haben auch heute „Baustellen“, die alles andere als banal sind: Was tue ich gegen die Not auf dieser Welt? Wie reagiere ich auf Hass gegenüber Flüchtlingen? Was tue ich gegen Intoleranz? Was vermeide ich, um das Coronavirus im Schach zu halten? Was tue ich gegen den Klimawandel?

Lass ich den Dingen ihren Lauf nehmen, oder steuere ich aktiv dagegen? Und wie substanziell ist mein „Engagement“? Ich denke dabei auch an die eigene Lebensqualität. Bin ich bereit, selbst schmerzhaften Verzicht zu üben? Für wie lange?

Ihr leidet also darunter, zurzeit nicht verreisen zu können, oder nicht mehr in Restaurants, Bars oder ins Kino gehen zu dürfen?

Dann wisst ihr ja, wie sich AlGII Empfänger, Mindestlöhner und Armutsrentner jeden beschissenen Tag - Jahr für Jahr - fühlen.

twitter.com/nimmdenbus, 29.4.2020


  1. Hinweis: Den Link auf den Eintrag in der Wikipedia habe ich in das Zitat eingefügt. [return]