Vergebung

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Eine alte Tür mit einem Gitter vor der Fensteröffnung.

Wer seinen Nächsten verurteilt,
der kann irren.
Wer ihm verzeiht,
der irrt nie.

Karl Heinrich Waggerl

Das ist wieder einer dieser Sentenzen vom Kalender meiner Mom. Wie viele Kalender-„Sprüche“ klingt er, als sei es ganz einfach das zu beherzigen. Es ist doch das Normalste auf der Welt seinen Mitmenschen zu vergeben: Wo ist das Problem? Aber wenn man sich dann seine Pappenheimer in Erinnerung ruft und sich fragt: »Kann ich dem verzeihen?«, dann sieht die Welt schon anders aus.

Dass es schon fast übermenschliche Kraft erfordern kann jemanden zu vergeben, zeigen andere Aphorismen auf, zum Beispiel:

Irren ist menschlich, Vergeben göttlich.

Alexander Pope, [via]

Und wer seinem ärgsten Widersacher verzeihen kann, zeigt Größe:

Denn höher vermag sich niemand zu heben, als wenn er vergibt.

– Johann Wolfgang von Goethe [via]

Kurzum: Jemanden zu verurteilen ist einfach. Jemanden zu verzeihen der mich übel verletzt hat, fällt mir sehr schwer. Warum also sollte ich ihm vergeben? Um Größe zu zeigen? Pah! Das würde der doch sowieso nicht merken.

Ärger, Wut, Hass wiegen schwer. Sie sind wie ein Rucksack voll mit Pflastersteinen, den ich ständig bei mir trage. Wenn ich aber vergebe, stelle ich den Rucksack ab, lasse ihn zurück und gehe fortan leichter durch mein Leben.