Unterricht, quo vadis?

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Zwei Schnecken mit „Haus“ eng umschlungen. Und immer schön Abstand halten!

Diese Frage stellte ich schon vor einem Jahr. Ein Artikel, den ich in der „Zeit“ gelesen habe, hatte mich bestärkt sie mal in den Raum zu stellen: Wohin gehst du, Unterricht? Jüngst habe ich wieder etwas dazu gelesen: Bildung auf Social Media: Youtube und Co. machen Schule. Der Corona-„Lockdown“ wird diesem Gedankenansatz zusätzlich Auftrieb gegeben haben.

Ich kann dieser Idee, Unterricht aus dem Internet, eine Menge abgewinnen. Gleichwohl, mir ist klar, dass dabei viele Dinge auf der Strecke bleiben, das Sozialverhalten, das miteinander Lernen zum Beispiel.

In dieser Woche hat das Land NRW ein weiteres Füllhorn bereitgestellt: Förderrichtlinie für die Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit digitalen Endgeräten in Kraft getreten. Meine Bedenken zu solchen überambitionierten Aktionen habe ich kürzlich erst aufgeschrieben. In Ergänzung dazu nur dieser Satz aus den Förderrichtlinien: „Bis zum 31. Dezember 2020 nicht für die Zwecke des Sofortausstattungsprogramms verbrauchte Mittel sind an die Bezirksregierungen des Landes ohne Zinsaufschlag unverzüglich zurückzuzahlen.“ 1

Corona machts möglich.

Das klingt böse? So ist es aber nicht gemeint. Es ist super, dass für die Bildung jetzt so viel Geld bereitgestellt wird. Aber mit etwas mehr Geduld könnten wir das Geld höchstwahrscheinlich gezielter und nachhaltiger einsetzen.

a) Der Corona-„Lockdown“ hat uns gezeigt, dass wir in Sachen Digitalisierung und Breitbandausbau noch viel tun müssen. b) Wir haben außerdem festgestellt, dass Unterricht via Internet möglich und auch erfolgreich sein kann. c) Es besteht die Gefahr, dass es in den nächsten Monaten einen zweiten Lockdown geben wird. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es noch viele weitere solcher Maßnahmen geben wird – weil die Natur und damit auch die Viren den längeren Atem haben. Das heißt, wir müssen weiter sehr vorsichtig sein. d) Leichter wäre es, die Schülerzahlen in den Klassen wären kleiner, heißt es oft. Denn dann können wir besser Abstand halten. Und so ein Virus hätte womöglich eine geringere „Schlagkraft“.

Soll heißen, wir könnten doch auch fortführen, was wir schon ansatzweise gemacht haben – nur eben viel professioneller. Wir halbieren die Schülerzahlen in den Klassen. Eine Hälfte einer Schulklasse nimmt am Unterricht in der Schule, die andere Hälfte nimmt am Unterricht im Netz teil – und das im Wechsel. Und dafür bauen wir eine gut funktionierende und sichere digitale Infrastruktur.

Mir ist klar, dass die Geschichte noch ein paar weitere Haken hat. Wer betreut die Schüler:innen, die dann jeweils zu Hause Unterricht haben? Auch darüber müssen wir uns Gedanken machen. Aber das Corona-Virus hat uns deutlich vor Augen geführt, dass das Leben sehr fragil ist. Jederzeit können uns weitere üble Viren einen Strich durch unsere Pläne machen.

Alles Jammern hilft nichts, wir müssen achtsamer werden. Und wir werden noch viel flexibler werden müssen. Wir müssen „beweglichere“ Lösungen finden. Wir müssen einen alternativen Alltag in den Schubladen bereit halten. Doch eines sollten wir immer vermeiden – überstürzte Aktionen.