Sie leuchten heller als bisher

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Ein gelb blühendes Rapsfeld Der Natur ist das egal.

Die Gefühle wechseln manchmal von Stunde zu Stunde. Ohnmacht, Angst, Verzweiflung, Wut, Traurigkeit, Humor, Erschöpfung, Freude – alles ist dabei.

Mein Kopf sagt, es ist wichtig, dass die Seniorenheime geschlossen sind. Wir sind noch lange nicht so weit, dass wir sie wieder öffnen können. Mein Herz sagt, ich will meine Mutter sehen. Ich will mit ihr sprechen. Ich will ihre Hände in die meinen nehmen.

Alles erscheint surreal, ja fremd.

Eine Eigenart der derzeitigen Situation ist, dass sie den Kontrast erhöht. Es wird deutlicher, was und wer wirklich wichtig ist. Mit und ohne COVID-19.

Meine Mom darf ich nicht sehen, aber ich bin froh, dass es sie gibt, die Pflegerinnen und Pfleger in den Seniorenheimen1.

Es freut mich ungemein, dass jetzt klarer wird, was und wer tatsächlich systemrelevant ist. Auch wenn der Begriff selbst unbehagen bei mir auslöst. Natürlich möchte ich, dass wir möglichst schnell wieder zur „Normalität“ kommen können. Aber wenn wir aus der Situation nur lernen, was der Unterschied zwischen „haben wollen“ und „wirklich brauchen“ ist – dann sind wir für die Abschlussprüfungen der Lebens-Grundschule gut vorbereitet.

Und ich bin glücklich, dass ich Freundinnen und Freunde habe, die mir jetzt der Anker sind, der mich nicht davon treiben lässt.

Es wird jetzt deutlicher, wer wirklich wichtig ist. Vor meinem inneren Auge leuchten sie heller als bisher.