Gleichgültigkeit, das Ende eines Prozesses

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Eine aus Natursteinen gemauerte Wand, darin ein altes Sprossenfenster mit Holzrahmen.

Geht es Euch auch so? Manche Diskussionen poppen Monate später noch in meinem Kopf auf. Meistens dann, wenn ich darin Dinge zu hören bekommen habe, die ich von diesem Menschen nicht erwartet hätte. »Mir ist der Datenschutz völlig egal! Die machen sowieso alle was sie wollen!« Das ist so eine Aussage, die mir vor Monaten eine Bekannte um die Ohren schleuderte.

Gleichgültigkeit lässt mich immer fassungslos zurück.

Manchmal kündigt sie sich auch in Sätzen wie diese an: »Das macht man doch so!«, oder: »Das gehört sich so!« Darauf mit Fragen wie: »Warum?«, »Wo steht das geschrieben?», »Und wer ist ›man‹?«, zu reagieren, kommt meistens nicht gut an. Ja, die Fragen lassen sich beantworten. Aber oft bleiben sie unbeantwortet, weil höchstwahrscheinlich nicht weiter über das nachgedacht wurde, was „man doch so macht“ und „sich so gehört“. Sein Handeln nicht zu reflektieren und darüber hinaus für allgemeingültig zu erklären, ist für mich auch ein Zeichen von Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit lässt mich vielleicht leichter durchs Leben gehen. Sie steht aber auch für: Desinteresse am Leben, für Desinteresse an seinen Mitmenschen.

Ich habe immer daran geglaubt, daß das Gegenteil von Liebe nicht Haß ist, sondern Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Glaube ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Hoffnung ist nicht Verzweiflung, es ist Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses, es ist das Ende eines Prozesses.

Elie Wiesel