Es hat mir die Entscheidung genommen

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Manchmal fällt es mir schwer, eine Entscheidung zu treffen. Und manchmal trifft sie dann ein anderer für mich. So wie am Dienstag.

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich es mir gekauft habe. Ich glaube, es war 1990. In vielen Urlauben war es mir ein treues Gefährt – mein Mountainbike1. Wir waren in den Alpen, in Italien, Frankreich, Monaco und so weiter.

Die vergangenen 20 Jahre hat es mir auch im Alltag als Arbeitsesel gedient. Egal ob es stürmte, regnete, schneite, jeden Tag bin ich mit ihm zur Arbeit. Da es dort leider keinen überdachten Fahrradparkplatz gibt, war mein Bike, während ich im Büro trocknete und mich aufwärmte, in dieser Zeit ständig der Witterung ausgesetzt.

30 Jahre gehen an nichts und niemanden spurlos vorrüber. Mehrmals habe ich es sanieren lassen – neue Felgen2, Reifen, Kette, Ritzel, Bremsbeläge und so weiter. Schon vor zwölf Jahren3 hatten mir die Schrauber danach schon angeraten: »Kauf Dir mal ein neues Rad. Das hat seinen Dienst getan.« Auch vor sechs Jahren, als ich mir ein zweites Rad für die Langstrecken zugelegt und im dem Zuge das Mountainbike generalüberholen lassen habe, gaben die Schrauber zu bedenken: »Bald wirst Du für das Rad kaum noch Ersatzteile bekommen.«

Wir haben uns davon nicht beirren lassen. Wir sind zusammen alt geworden. Und „Opas“ halten zusammen. Doch im vergangenen Herbst spürte ich, das Rad braucht wieder eine umfassende Frischzellenkur oder ich muss es berenten. Lange habe ich mit mir gehadert. Aber als mir der Schrauber meines Vertrauens sagte, dass es schwierig würde, die passenden Teile zu beschaffen, entschied ich mich für den Kauf eines neuen Mountainbikes für den Alltag.

Gleichwohl mochte ich mein All-Terra-Rad nach so vielen Jahren nicht einfach außer Betrieb stellen. Auch, wenn es im Laufe der Zeit jegliche Geschmeidigkeit verloren hat und selbst der Sattel schon so aussieht wie der durchhängende Rücken eines uralten Pferdes, dieses Steel-Horse ist mir ans Herz gewachsen. Ich fuhr weiter damit zur Arbeit. Auch am vergangenen Dienstag.

Es war ein angenehmer Morgen. Fröhlich begrüßte ich die Leute auf den Gehwegen. An einer Kreuzung wunderte ich mich ein bisschen über die ungewöhnlich vielen Autos die unterwegs waren. Etwas ungeduldig wartete ich, bis die Strecke frei war und setzte zum Überqueren an. Mitten auf der Kreuzung stürzten wir. Das Lenkrad ist mir aus den Händen geglitten. Ich hatte in dem Moment keine Ahnung aus welchem Grund. Stolpernd gelang es mir, über das fallende Fahrrad hinwegzusteigen ohne dabei auf die Knie oder Hände zu fallen. Geschockt blickte ich mich um. Kein Auto auf der Straße. Ich drehte mich zu meinem treuen Gefährt, um es aufzuheben. Und was ich dann sah, hat mich entsetzt.

Der Vorbau eines Fahrradlenkers mit einer großen Bruchstelle Genickbruch

Ja, ich habe großes Glück gehabt, dass ich selbst nur mit ein paar Macken am Bein und eine von der Kette und dem Zahnkratz ölverschmierte Hose davongekommen bin.

Die Bruchstelle an einem Fahrradlenker-Vorbau. Der Lenkervorbau ist gebrochen

Mein altes Steel-Horse hat mir die Entscheidung genommen.

Diesen Text habe ich auch geschrieben, um Euch aufzuzeigen, dass selbst bestes Material irgendwann ermüdet. Auch wenn das auf den Fotos so aussieht, vor dem Bruch des Lenkervorbaus war von dem Rost dort nichts zu sehen. Der Rost hat sich innerhalb der Stange gebildet. – Bitte pfelgt und wartet auch Eure Fahrräder regelmäßig.


  1. Von GT, Karakoram mit einer LX-Shimano-Baugruppe. [return]
  2. Wegen des Abriebs durch die Felgenbremsen. [return]
  3. Ich kann das so genau sagen, weil das mit diesen Käufen zusammenhängt. Ja, ich habe schon in der Finanzkrise 2008 dafür gesorgt, dass die Welt nicht zusammenbricht. [return]