Es geht nicht immer nur um Geld

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Ein Festnetztelefon steht auf einem Holztisch.

Mit dem Text Ihre Sprachen verstehen lernen habe ich versucht zu erklären, dass Liebe auch aus der Perspektive „Bedürfnisse“ betrachtet werden kann. Und ich wollte aufzeigen, warum es sich lohnt diesen Aspekt mal unter die Lupe zu nehmen.

Normalerweise sehen wir die Dinge nur aus unserem eigenen Blickwinkel. Weil, der ist ja eingebaut. Da liegt es doch nahe zu glauben, dass diese meine Sichtweise die allgemeingültige, die wahre ist.

Übertragen auf die Liebe heißt das, ich fühle mich geliebt, wenn die Bedürfnisse XYZ erfüllt sind. Also versuche ich bei meinem geliebten Menschen genau diese Bedürfnisse auch zu erfüllen. Das, weil ich davon ausgehe, meine Bedürfnisse sind auch ihre, beziehungsweise seine. Dumm nur, wenn sie oder er andere Bedürfnisse hat – wenn sie oder er eine andere Sprache der Liebe spricht.

Während es mir wichtig ist „Lob und Anerkennung“ zu bekommen, wünscht sich meine Partnerin möglicherweise „Geschenke, die von Herzen kommen“. Das erfahre ich aber nur, wenn ich mir meiner Bedürfnisse bewusst werde und die meiner Partnerin erfrage; Stichwort: Kommunikation.

Damit ich meine:n Partner:in und ihre/seine Bedürfnisse noch besser verstehen kann ist es notwendig zu wissen, welchen Ursprung ihre/seine Bedürfnisse haben. Und das wiederum lässt sich meistens aus der Vergangenheit erschließen – wie ist sie oder er aufgewachsen, welche Dinge hat sie/er erlebt und so weiter.

Kurzum, es lohnt sich die Liebe mal aus der Perspektive der Bedürfnisse zu betrachten. Denn sie kann helfen, Konflikte zu vermeiden.

Diese Gedanken lassen sich durchaus auch in das Berufsleben übertragen. Auch dort sind die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen unterschiedlich. Dem Einen ist das Gehalt besonders wichtig, dem Anderen der Status und dem Nächsten ist die Wertschätzung.

In dem Artikel „IT in den Behörden: Modernisierung unerwünscht“ ist unter dem Punkt „Hierarchien überwinden“ zu lesen:

Tatsächlich belegt die Münchener Studie, dass nicht etwa die Aussicht auf ein hohes Gehalt über die Wahl des Arbeitgebers entscheidet. Vielmehr ist eine reizvolle Aufgabe das beste Lockmittel für Arbeitgeber. Denn dies wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten. Erst auf Platz zwei folgt mit 36 Prozent das Geld. 1

Dagegen heißt es in dem Artikel „4 gefährliche Mythen, an die viele Manager noch immer glauben“ unter dem Punkt 2: „Die Mitarbeiter arbeiten ausschließlich für das eigene Gehalt“:

So glauben viele Chefs immer noch, dass es den eigenen Angestellten nur um die Überweisung am Ende des Monats geht. Dabei ist fast das Gegenteil der Fall. Im Mittelpunkt steht bei vielen Angestellten, dass sie für ihre Arbeit gewürdigt werden. Ebenso wichtig sind Vertrauen und Wertschätzung. Ein ehrliches „Danke“ ist für die Mitarbeiter-Bindung in vielen Fällen wichtiger als 50 Euro mehr auf dem Konto. 2

Ob in einer Beziehung, in der Familie oder im Berufsleben, viele Konflikte entstehen, weil Menschen die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen nicht oder nur unzureichend kennen. Und das liegt oft daran, weil sie nicht offen miteinander kommunizieren.

Wer das Sagen hat, gerät in Gefahr, das Zuhören zu verlernen.

— Norbert Blüm