Digitalisierung und Effizienz

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Tastatur, darauf liegt der Netzstecker eines LAN-Kabels

»Angeber!« »Warum?«, fragte ich. »Du tipperst mit zehn Fingern und guckst mich dabei an.« »Schreibst du nicht mit zehn Fingern?« »Nö. Kann ich nicht«, antwortete sie. Sie ist Anfang dreißig, hat studiert und ist wie ich am Scheibetisch tätig.

Kürzlich zeigten mir zwei Lehrerinnen einer weiterführenden Schule, wie sie in der „Lockdown“-Phase digital unterrichtet haben. »Sie tippen mit zehn Fingern, können Sie das alle?« »Nein«, antwortete die jüngere von beiden grinsend: »Ich zum Beispiel nicht.« »Gibt es ein Unterrichtsfach, in dem das vermittelt wird?« Auch diese Frage verneinten die beiden.

»Mir ist aufgefallen, dass die meisten Auszubildenden bei uns anfangs sehr wenig Kenntnisse von Word oder Excel haben. Wird das nicht unterrichtet?« Es gebe Fächer, in denen mit Text- und Tabellenkalkulationsprogrammen gearbeitet wird, bekam ich zur Anwort. Aber es würde dabei weniger darauf geschaut, welche Möglichkeiten die Werkzeuge bieten, wofür sie sich eignen und wofür nicht.

Nach meiner Beobachtung setzen viele jüngere Menschen, die häufig mit Desktops oder Notbooks arbeiten, nicht alle zehn Finger beim Tippern ein. Ich habe das in einer Art VHS-Kurs gelernt; vor Äonen, zu Beginn meiner Ausbildung, in der Eisenzeit, vor den Treppenliftern. Mit zehn Fingern auf einer Tastatur zu schreiben fällt mir leicht und ich mache das gern. Weil: Ich schreibe, wenn ich alle zehn Finger einsetze, wesentlich schneller. Und ich glaube, dass das jedem so geht der das kann.

Nebenbei: Dafür bekomme ich jedes Mal Hörnchen, wenn ich auf einem Smartphone mehrere Sätze tippen muss. Und wenn es einen Kurs geben würde: „Wie schreibe ich effizient mit dem Smartphone?“, würde ich daran teilnehmen.

Doch ich finde es bemerkenswert, dass das Lernen mit zehn Fingern auf einer Tastatur hämmern zu können, nach meinem Kenntnisstand in all den Jahren nach der Erfindung der Schreibemaschine nie zum normalen Unterrichtsstoff geworden ist. Nun könnte man ja argumentieren: Alter, nicht jeder sitzt später mal an einem Notebook oder dergleichen. Stimmt. Aber im Lauf der Zeit wurden immer mehr Arbeitsplätze mit „Tastaturen“ ausgestattet. Und diese Entwicklung hält an. Stichwort: Digitalisierung.

Außerdem habe in der Schulzeit auch mal die „Lappentechnik“ beim Töpfern gelernt. Und wir haben mit Funktionen bestückte Spielzeug-Flug- und Fahrzeuge aus Holz gebastelt. Dennoch bin ich nie Töpfer oder Schreiner geworden. Doch bei dem Unterricht ging es nicht nur um das Ziel, sondern auch um solche Fragen wie: Wofür eignet sich ein Schraubenzieher und wofür weniger. Anders ausgedrückt: Selbstverständlich kann ich mit dem Schraubenzieher Steine bearbeiten, aber ein Meißel wäre vielleicht das Werkzeug der Wahl.

Tja. Wann nutze ich ein Textverarbeitungs-, wann ein Tabellenkalkulations-Programm und wann eignen sich beide Programme nicht? Und wie nutze ich ein Werkzeug effizient. – Meines Erachtens geht es doch nicht nur um Effektivität, sondern auch um Effizienz.

Oder bin ich zu alt um solche Dinge beurteilen zu können?