Demenz: Leben in Happyland?

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Blick über eine mit vielen Pflanzen bewachsene Mauer in einen Garten mit Rosen.

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit einigen Mitmenschen über das Thema Demenz. Eine Gesprächspartnerin verwendete mehrmals den Begriff Happyland, so, als sei er ein Synonym für Demenz.

Ich hatte ihnen von einer Situation erzählt, die schon einige Jahre zurück liegt. »Ich wünsche ihr so sehr, dass sie es bald überstanden hat.« Die Freundin meiner Mom hoffte, dass meine Mom ihre Erkrankung nicht mehr wahrnehmen muss. Daran wie sie es sagte konnte ich erkennen, dass sie es gut mit meiner Mom meinte.

Dennoch war ich davon irritiert: Kann man einem Menschen mit gutem Gewissen wünschen, schneller noch kranker zu werden? Selbst heute, nach einigen Jahren, kann ich die Frage nicht beantworten.

Ich stelle mir vor, wie ich reagieren würde, wenn die ersten Symptome einer Demenz auftreten. Wenn ich merken würde, dass mein Gedächtnis stark nachzulassen beginnt. Unsicherheit würde sich bei mir breit machen. Die Folge wäre zunehmende Ängste, auch und besonders vor dem Kontrollverlust. Ganz sicher würde ich mich unglaublich schämen. Und das alles würde dazu führen, dass ich nicht den Mut finden würde, gegenüber meinen Mitmenschen die Krankheit einzugestehen: »Ihr Lieben, ich werde mir fremd. Auch ihr werdet mir fremd. Mein Geist geht fort.« Vielleicht würde ich dann sagen: »Ich halt das nicht mehr aus, ich wünschte, es wäre vorbei.«

Meine Gesprächspartnerin hatte die Frage für sich mit „Ja“ beantwortet: »Dann ist es besser, wenn du möglichst schnell in Happyland ankommst.« Auch ich habe in diesem Kontext schon Bilder wie: „von einer Welt in die andere wechseln“, oder: „unsere Welt und ihre Welt“ verwendet. Aber „Happyland“?

Ohne Frage, als Angehöriger ist es schmerzhaft zu beobachten, wie ein lieber Mensch von der einen Welt in die andere und wieder zurück taumelt. Mich hat das, wie meine Mom, unsicher und ängstlich gemacht. Anfangs war es mir auch peinlich, meine Mom so zu sehen. Da kann man schon mal in Versuchung kommen, das verdrängen zu wollen: »Weißt du was, es ist besser, wenn sie in Happyland verschwunden ist.« Und gedanklich hinzufügen: Dann muss ich mir das Elend nicht mehr ansehen.

Ich bin mir sicher, für die Freundin meiner Mom war das nicht das Motiv, als sie mir damals von ihrem Wunsch erzählte. Doch wenn jemand den Begriff Happyland für den Zustand einer vollständig ausgeprägten Demenz verwendet, bin ich mir nicht mehr so sicher.

Happyland als Synonym für Demenz, für eine Krankheit, zu benutzen, ist ein Euphemismus; und ein ziemlich übler obendrein.

Meine Gesprächspartnerin hat das höchstwahrscheinlich nicht so gemeint. Sie hat sich dem Thema Demenz bislang nur theoretisch genähert.

Eines hat mir das Gespräch jedoch wieder verdeutlicht: Unsere Gesellschaft hat arge Probleme im Umgang mit Erkrankungen wie Demenz oder Depression, also mit geistigen und/oder emotionalen Erkrankungen. Wie soll ich damit umgehen? Muss ich überhaupt damit umgehen können? Kann ich das nicht verdrängen oder zumindest schönreden?