Das Coronavirus, die Natur und unsere Lungen

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Ein ehemals geschlossener Wald. Viele vom Sturm umgeworfene Bäume wurden schon entfernt. Nur noch wenige Bäume sind verblieben.

Ich finde es erschreckend, wie oft ich an das C-Thema denke. Es scheint so, als hätte alles irgendwie damit zu tun. Es gibt nur sehr wenig, was mich aus diesem Gedankenkarussell wirklich herausholt. Einer der effektivsten Methoden ist, wenn ich mich mit Pflanzen beschäftige – wenn ich im Garten bin, oder in der Natur herumstreife.

Es ist Frühling, da ist das normal. Ich kenne niemanden, der diese Jahreszeit nicht mag. Dann jetzt ist die Natur am schönsten. Klar, die anderen Jahreszeiten haben auch ihre Vorteile. Aber wenn die Tage länger werden, wenn die Blätter an den Bäumen wachsen und die Pflanzen beginnen zu blühen, dann ist es nicht nur heller, sondern auch viel farbenprächtiger da draußen. Monatelang haben wir das nicht zu sehen bekommen. Und deswegen ist die Wirkung des Frühlings so enorm – die Natur schenkt uns, was wir lange vermisst haben.

Es ist schon komisch. Ich liebe die Natur. Aber das Corona-Virus ist auch Natur. Die Natur fragt uns nicht, was wir gerne hätten, was gut für uns ist. Wir finden, das Moos auf den Balkonplatten ist blöd, aber die Geranien in den Balkonkästen sind schön. Natur hat nur dort zu sein, wo wir sie gern hätten. Und sie soll bitteschön so aussehen, wie sie uns gefällt. Tja, das Corona-Virus scheint wie der Giersch in unseren Gärten.

Zurzeit sind wir dabei, den Lockdown zu lockern. Wir haben den „Winter“ der Einschränkungen satt. Wir eröffnen den „Frühling“. Wir können und wollen nicht mehr verzichten – Corona-Virus hin oder her. Was das für Folgen hat, wissen wir noch nicht.

Ein ehemals geschlossener Wald. Viele vom Sturm umgeworfene Bäume wurden schon entfernt. Nur noch wenige Bäume sind verblieben.

Was unterscheidet das Coronavirus von uns? Gibt es Parallelen?

Bei den Spaziergängen in den „Wäldern“ bin ich jedes Mal erschrocken, wie sehr sie allein in den vergangen zwei Jahren gelitten haben. Die Folgen der Stürme und der Trockenheit sind dramatisch.

Das Corona-Virus hat das Thema Klimawandel in den Hintergrund unserer Gedanken gerückt. Was passiert, wenn wir das Virus in den Griff bekommen haben, wenn wir es beherrschen? Wenn wir aus dem „Frühling der Lockerungen“ in den „Sommer des Genusses“ drängen? Auf was werden wir dann verzichten? Freiwillig. Nachhaltig.

Das Corona-Virus schädigt unsere Lungen, heißt es. – Wann werden wir aufhören, unsere grüne Lunge zu zerstören?

Wenn du Abstand hältst,
bist du den Dingen am nächsten.
Nur so erkennst du,
wie sie zueinander liegen
und was wirklich wichtig ist.

— Meng Kun-liu

Spoiler: Wir leben nicht mit der Natur. Wir werden das auch nach Corona nicht tun. Denn die Natur soll mit uns leben. Nach unserem Gusto. So wie die Geranien in den Balkonkästen, und so wie die Bäume in unseren Wäldern. Natur zu unseren Bedingungen. Bedingt Natur.

Doch wir Menschen selbst sind Natur – ein winziger Teil von ihr. Und je eher wir das verinnerlichen, desto eher können wir mit ihr – und besser leben.