Aber sprich nur ein Wort …

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Ein alter Türgriff an einer alten Tür Kommunikation öffnet „Türen“

Manchmal verblüfft es mich schon, was mir von meinem „Archiv“ als adäquat angeboten wird, wenn ich über etwas nachdenke. Kürzlich war es dieser Satz: „Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Warum dieser Satz überhaupt in meinem „Archiv“ zu finden ist, erklärt diese Quelle:

Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach; aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

— de.wikipedia.org: Hauptmann von Kafarnaum

Bleibt die Frage, warum mein „Archiv“ den Satz für passend erachtet.

Ich grübelte über eines meiner vielen Lieblingsthemen: Kommunikation. Kommunikation ist wichtig. Ich denke, das wird wohl niemand bezweifeln. Doch wenn ich mich umschaue, ist sie oft unzureichend oder sie findet überhaupt nicht statt.

Stellt Euch eine Mutter vor, die tagelang nicht mit ihrem kleinen Kind spricht, so als Strafe, weil das Kind sich nicht an eine Regel gehalten hat. Wie wird sich das Kind fühlen? – Ja, das ist Liebesentzug. Und für die Seele des Kindes ist das eine sehr, sehr schmerzhafte Erfahrung.

Das gibt es doch gar nicht? Von wie vielen Dingen haben wir in den vergangen Jahren gehört und gelesen, von denen wir glaubten, dass es sie nicht gibt? – Und: Wie oft sprechen Partner:innen nicht mehr miteinander, weil sie nach einem Streit sauer auf den anderen sind? Ist das etwas anderes?

Streit, Hektik oder Unachtsamkeit müssen regelmäßig als Begründung dafür herhalten, dass die Kommunikation nachlässt oder sogar unterbleibt – ob in der Familie, im Verein oder am Arbeitsplatz. Über die Folgen machen wir uns selten Gedanken.

Welches Gefühl erzeugt das bei Euch, wenn ihr Mitmenschen beobachtet, die miteinander tuscheln und hin und wieder zu Euch rüberschauen? Was macht das mit Euch, wenn Ihr Euch nicht eingebunden fühlt? Wie sehr verletzt Euch das?

Kommunikation ist für uns eingentlich selbstverständlich. Aber was uns ganz oft nicht bewusst ist, wie elementar sie für uns auch ist. COVID-19 und die dagegen erforderlichen Kontaktbeschränkungen führen uns das gerade wieder vor Augen.

Es mag vielleicht etwas pathetisch klingen, aber es verdeutlicht die Notwendigkeit: Die wertschätzende Kommunikation ist für unsere Seele so wichtig, wie für unseren Körper das Atmen.

Wenn Eltern, Vereinsvorsitzende, Vorgesetze, Politiker:innen ihre Entscheidungen unzureichend oder gar nicht kommunizieren, begründen – sollten sie sich nicht über ein schlechtes „Klima“ wundern. Denken wir dabei mal kurz an die Entscheidungen der Politiker:innen um die Pandemie einzudämmen. Ja, es ist unmöglich es dabei allen gerecht zu machen. Aber sie müssen ihre Prioritätensetzung schon nachvollziehbar erklären können.

Kommunikation verbindet – ist sie unzureichend oder verbleibt sie ganz, werden sich die Ausgeschlossenen irgendwann distanzieren. Mindestens.

Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.