Wie aus einem Mini-Blog eine digitale Chronik wurde (Update: 18.1.2019)

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Blick vom Kirchturm in Lügde auf die Baustelle der Umgehungsstraße Kirchturmblick auf die Baustelle Umgehungsstraße Lügde

In Bad Pyrmont ist seit etwa einem Jahr eine wichtige Verkehrsader unterbrochen. Die Heemsteder Brücke muss komplett erneuert werden. Das ist schon lästig – für Autofahrer. Als Fahrradfahrer juckt mich das wenig. Da kann ich einen viel schöneren Weg wählen, um von Lügde nach Bad Pyrmont zu kommen. Dummerweise ist aber seit einigen Wochen auch eine Fußgänger-/und Fahrradbrücke kurz vor Bad Pyrmont aus Sicherheitsgründen gesperrt. Aber der Umweg über eine dritte Brücke ist kein großer.

Wie auch immer, den Autofahrern kostet die Umleitung über die vierte Brücke, die Bad Freienwalder Brücke, wegen der Staus oft ziemlich viel Zeit. Viele sind davon verständlicherweise sehr genervt. »Das ist so lange noch gar nicht her, da fehlte uns in Lügde auch einige Monate eine wichtige Brücke«, erinnerte ich neulich bei einem Gespräch. »Stimmt, wie jung ist denn die neue Brücke an der Brückenstraße?« Es war diese Frage die mich dazu inspiriert hat, dazu unter luegde.de mal einen kurzen Text zu schreiben:

Tja, liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, wie jung die Brücke an der Brückenstraße ist? Für alle die nicht so im Thema sind: Die Brücke musste damals „mal kurz“ weichen, weil sie beim Bau der Umgehungsstraße „im Weg stand“.

Übrigens: Beim Bau der Umgehungsstraße haben wir ein kleines Tagebuch geführt. Und kaum sind über zehn Jahre ins Land gezogen, da wird aus so einem Tagebuch eine Chronik vom Bau der Umgehungsstraße. (Psst!, darin finden Sie auch Bilder von der Einweihung der Brücke – mit Datum versteht sich.)

Nebenbei: Drohnen, mit denen man coole Fotos aus der Höhe schießen konnte, gab es damals noch nicht. Zumindest waren sie unerschwinglich für unsereins. Aber wir hatten das Glück, dass 2006 der Kirchturm der Sankt Marien Kirche neu eingedeckt wurde …

Der Grund weshalb ich das hier erwähne ist aber ein anderer: zeitnahes dokumentieren im Netz lohnt sich! Das zu tun habe ich hier ja schon oft empfohlen. Besonders bei so großen Bauprojekten, wie damals beim Bau der Umgehungsstraße in Lügde, bietet sich das an. Klar, das ist eine Menge Arbeit und das kostet viel Zeit. Aber: Egal wann und egal von wo, jeder kann jederzeit den Bau im Netz mitverfolgen. Auch wenn wir das 2006 noch nicht so genannt haben, aber das war Digitalisierung. Und wie gesagt, kaum sind mehr als zehn Jahre rum, sind solche Dokumentationen wunderbare Nachschlagewerke – digitale Chroniken.

Und weil Ihr bis hierhin durchgehalten habt, verrate ich Euch auch, wann die „neue“ Brücke an der Brückenstraße in Lügde eingeweiht wurde: am 11. Oktober 2008.

PS: Für Leserinnen und Leser die sich hier nicht auskennen: Bad Pyrmont und Lügde liegen von Bergen eingerahmt in einem Talkessel. Mitten durch diesen Talkessel verläuft eine Landesgrenze. Bad Pyrmont gehört zu Niedersachsen, Lügde zu Nordrhein-Westfalen. Und quer durch den Talkessel mäandert sich ein kleiner Fluss, die Emmer. Deswegen ist oben die Rede von so vielen Brücken.

Update 18.1.2019:

Ich habe das zwar schon gefühlte drölftausend Mal erzählt, aber es passt ganz gut auch zu diesem Artikel – deswegen:

Mit dem Bau der Umgehungsstraße ist bereits 2005 begonnen worden. In dem Jahr wurde zum Beispiel die provisorische Fußgängerbrücke, die oben auf der linken Seite im Bild zu sehen ist, errichtet. Die Doku startet aber erst 2006. Bei der Dokumentation fehlen also die ersten paar Monate. Das ist blöd. Darum: Wenn Dokumentation, dann zeitnah und schon vor dem eigentlichen Baubeginn damit beginnen.

Rund um so eine Großbaumaßnahme finden oft mehrere Veranstaltungen statt, in denen das Projekt von den Fachleuten vorgestellt wird. Einige der Veranstaltungen könnten sich die Macher sicher sparen, wenn sie das Projekt im Netz präsentieren würden. Das hat viele Vorteile:

Was ist mit den Menschen, die an dem Veranstaltungstermin nicht teilnehmen können, weil sie verhindert sind – sei es, weil sie einen anderen Termin wahrnehmen müssen, weil sie sich um Familie und Kinder kümmern müssen, weil sie aus beruflichen Gründen unterwegs sind, oder weil sie erkrankt sind? Es kann ja auch sein, dass ich einfach heute keine Lust habe, mich aber trotzdem gern über das Projekt informieren möchte.

Apropos „erkrankt“: Es mag banal klingen, was ist zum Beispiel mit Menschen die schwerhörig sind, und deswegen solche Veranstaltungen meiden? Sie verstehen akustisch oft nicht, was die Leute da vorne sagen. Was ist mit Menschen, die kognitiv behindert, gleichwohl aber interessiert sind? Fachleute reden oft kryptisch und merken es nicht. Ihre Sprache ist ihnen ja geläufig. Viele Mitmenschen verstehe sie aber nicht.

Solche Probleme lassen sich mit verständlichen Dokumentationen im Netz wunderbar vermeiden. Wie schon gesagt, das bedeutet viel Arbeit. Aber auf diese Weise kann ich mit der Digitalisierung auch Empathie beweisen.