Was ist besser, Lob oder Kommunikation?

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Eine Zeltverspannung

Heute möchte ich Euch eine These unterbreiten. Und ich bitte Euch mir mal zu schreiben, was Ihr darüber denkt. Schroff reduziert dreht sich die These um diese Frage: Was ist besser, Lob oder Kommunikation? Das klingt jetzt sehr krude, aber ich versuche, da mal etwas Licht hineinzubringen. Und ich versuche zu erklären, wieso ich es für wichtig halte, sich über den Unterschied Gedanken zu machen.

Reflexartig hätte ich bis vor einiger Zeit geantwortet: »Hä? Was ist das für ein Frage? Beides ist wichtig. Das muss sich ja nicht gegenseitig ausschließen.« Aber ich habe beobachtet, dass das so passiert – und zwar nicht selten. Deswegen schreibe ich diesen Text.

Unter Lob versteht man die Anerkennung von Leistungen oder Verhaltensweisen durch sprachliche oder körpersprachliche Ausdrucksmittel (zum Beispiel Mimik, Gestik).

— de.wikipedia.org: Lob

Lob gehört auch zur Kommunikation, ohne Frage. Aber, Lob ist kurzfristig angelegt. Der Sender lobt den Empfänger für eine Leistung. Ende. Lob ist also eher eine einseitige Angelegenheit, soll heißen, sie zielt grundsätzlich nicht auf einen Austausch.

Gleichwohl, für den Empfänger ist Lob auch eine Orientierungshilfe: Wenn ich diesen Weg weitergehe, habe ich das Wohlwollen des Senders. Auch der Sender des Lobes geht nicht leer aus. Denn selbst wenn ihm das Lob schwer über die Lippen gegangen ist, in der Regel fühlt sich die oder der Lobende anschließend gut. Oder?1

Kommunikation […] ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen, die auf verschiedenen Arten (verbal, nonverbal) oder verschiedenen Wegen (Sprechen, Schreiben) stattfinden kann.

— de.wikipedia.org: Kommunikation

Eine Kommunikation kann ebenfalls kurzfristig angelegt sein. Eltern und Kinder jedoch kommunizieren ständig. Schön wenn das immer so wäre, werden jetzt vielleicht einige Leser:innen denken. Okay, aber in einer Firma, da kommunizieren die Chefs doch regelmäßig mit ihren Mitarbeiter:innen. Nicht?!

Kommunikation ist der Austausch von Informationen. Und Informationen bereichern, sind also quasi „Geschenke“. Klar, manchmal fühlt sich das nicht so an, aber ein Mehrwert haben Informationen grundsätzlich schon, oder? Das heißt: Bei einer Kommunikation bereichern sich die Gesprächspartner gegenseitig. Denn sie sind ja sowohl Sender wie Empfänger.

Wenn du sprichst, wiederholst du nur, was du bereits weißt. Aber wenn du zuhörst, lernst du vielleicht etwas Neues.

— Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama

Wie das Lob sind Informationen auch Orientierungshilfen, also grundsätzlich.2 Sie sind wie Straßenlaternen, die den Wege und Kreuzungen erhellen. Das heißt, Informationen können auch eine Neuausrichtung ermöglichen: Oh, da ist ja noch ein Weg! Lass uns den mal nehmen, der scheint besser zu sein!

Richtig gut funktioniert Kommunikation aber nur, wenn sie auf Augenhöhe stattfindet. Das ist zwischen Kindern und Eltern höchstwahrscheinlich nicht immer möglich – aber zwischen Mitarbeiter:innen und Chefs sowie zwischen Wähler:innen und Politikern doch schon. Woran sollte das scheitern? An den Machtbedürfnissen einiger Menschen zum Beispiel? Tjää …

Zwischenergebnis: Mit Macht befrachtete Hierarchien sind Hürden für die Kommunikation. Formvollendet müsste es also nicht heißen: »Du darfst mitreden«, sondern: »Du sollst sogar mitreden. Wir brauchen dein Wissen, dein Know-how.« Denn auch Eltern, Politiker und Chefs sollten sich orientieren wollen. Auch sie sollten großes Interesse daran haben auszutarieren, ob sie noch auf Kurs sind – oder ob sie gemeinsam und in Absprache mit den Kindern, Wähler:innen, Mitarbeiter:innen einen anderen Kurs nehmen sollten.

Menschen haben ein enormes Bedürfnis zu kommunizieren. Sonst würde ich hier nicht schreiben, sonst würden die Social Media Kanäle nicht bersten. Zu kommunizieren macht also Spaß – meistens. Kommunizieren zu können heißt, ich gehöre dazu. Nicht mit meinen Mitmenschen zu kommunizieren heißt ausgrenzen. Das ist doof. Und zwar für alle.

Denn ich glaube, Kommunikation ist der Motor einer Familie, einer Firma, einer Gesellschaft. Funktioniert der Motor nicht, dann machen wir keine Fahrt über Grund. Je besser die Kommunikation, je besser der Austausch von Information, umso besser kommen wir voran.

Jetzt zu meiner These:

Wenn ich als Elternteil oder als Chef hier und da mal ein Lob einstreue, aber mein Handeln nicht erkläre – also nicht kommuniziere – dann reicht das nicht. Als Kind als Mitarbeiter:in möchte ich im Alltag nicht im Dunkeln stehen gelassen werden like: Friss Vogel oder stirb. Erklärt mir, warum du das so und nicht so machen willst. Und vielleicht habe ich auch noch eine bessere Idee. Könnte ja sein. Ein Lob hier und da eingeworfen, schmeichelt, ja; ist aber kein Vergleich zu wertschätzender Kommunikation. Kommunikation heißt Austausch, heißt mitmachen, dabei zu sein.

Was ist besser, Lob oder Kommunikation? Meine These: Vor den oben geschilderten Hintergrund halte ich die Kommunikation für die bessere Wahl.

Ich glaube, egal ob in der Familie, in der Firma oder in der Politik – wenn mehr und wertschätzend kommuniziert würde, würden wir weiter kommen. Oder würdest Du Dich entfalten, alles geben, mit Freude dabei sein, Ideen einbringen, wenn du nicht angesprochen, links liegen gelassen wirst?


  1. Es sei denn, das Lob war ein Fake. Aber ich will es nicht zu kompliziert machen. Sonst verliere ich den Überblick. ;-) [return]
  2. Stimmt, das muss nicht unbedingt so sein. Viele Informationen können auch viele Fragezeichen und damit den Bedarf nach noch mehr Informationen wecken. Oder auch nicht. Vielleicht denken sich auch einige: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Das sind für meine These Nebenstraßen, die ich hier mal ausklammere, um mich nicht zu verirren. [return]