Was bedeutet das Wort „diskriminieren“ auch?

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

Belichtungsleiste in einem Tunnel

Ich finde es spannend, auch mal Wörter zu hinterfragen. Beispielsweise haben viele Wörter im Laufe der Zeit eine andere Konnotation erhalten. Und manchmal ändert sich diese bereits, wenn das jeweilige Wort in einem anderen Kontext verwendet wird.

Mit dem Verb „diskriminieren“ assoziiere ich nichts Positives. Das freie Wörterbuch Wiktionary führt zu dem Wort drei Bedeutungen auf:

(1) jemanden in ein unverdient schlechtes Licht setzen
(2) jemanden benachteiligen
(3) eine Unterscheidung machen

— de.wiktionary.org: diskriminieren

So weit alles gut, beziehungsweise schlecht. Aber halt, da steht ja auch „eine Unterscheidung“ machen. Äpfel von Birnen zu unterscheiden, ist ja nicht schlecht. Und wie ich vergangene Woche lernen durfte, soll das Wort „diskriminiern“ eben diese Bedeutung bisweilen noch innehaben.

Nur in der „Fachsprache“ […] soll das Wort noch die Bedeutung bewahrt haben, die es einst im nachklassischen Latein erhielt: discriminare bedeutete dort schlicht „unterscheiden“, und unterscheiden ist nicht per se schlecht, unanständig oder böse. Im Gegenteil muss man gerade zwischen „gut“ und „böse“ unterscheiden können, um das Gute zu tun und das Böse zu lassen. Da sich in einer modernen Gesellschaft aber kein Konsens darüber herstellen lässt, was „gut“ und was „böse“ ist, werden Handlungen, die auf einer solchen Unterscheidung beruhen, stets von den einen als akzeptable Differenzierung, von den anderen als inakzeptable Diskriminierung angesehen werden. […] Schon deshalb kann es im Recht kein generelles Diskriminierungsverbot geben. Vielmehr sind Ungleichbehandlungen grundsätzlich erlaubt, es sei denn, es lässt sich eine Rechtsnorm auftun, die sie verbietet.

— Dr. Fabian Michl, Wer darf wen „diskriminieren“? 1

An dieser Stelle nur nebenbei: Der letzte Satz in dem Zitat ist sehr wichtig. Das ist ein riesiges und sehr spannendes Thema. Vielleicht ein andermal mehr dazu.

Übrigens: Der Verfassungsblog, in dem der Artikel „Wer darf wen ‚diskriminieren‘?“ von Fabian Michl erschienen ist, ist immer eine „Reise“ wert.


  1. Siehe verfassungsblog.de: Wer darf wen „diskriminieren“? von Dr. Fabian Michl, 12.10.2109 [return]