Sie haben ein Autoritätsproblem

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Mehrere schwarze Steine. Ein Stein ist weiß und mit einem chinesischen Schriftzeichen versehen

»Du beschäftigst dich doch mit den Themen Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation.« »Ja. Vor etlichen Jahren habe ich darüber mal eine Hausarbeit geschrieben. Seit dem lese ich gern darüber. Warum fragst du?« »In meinem Team habe ich zwei Mitarbeiter von denen ich glaube, dass sie ein Autoritätsproblem haben.« »Wie kommst du darauf?«

»Ich erzähle denen: ›So machen Sie das!‹, und die wollen mit mir ausdiskutieren aus welchem Grund sie das so machen sollen.« »Und, hast du ihnen den Grund für deine Entscheidung mitgeteilt?« »Hör mal! Muss ich das? Ich bin der Chef!«

»Hast du als Kind mal einen Klaps auf den Hintern bekommen?« »Was hat das denn damit zu tun?!« »Ich will dich nicht ärgern. Geh einfach mal mit. Hast du?« »Ja! Mein Vater hat mir häufiger mal den Hintern versohlt. Das hat mir aber nicht schlecht getan!« »Warum nicht? Hattest du die Strafen verdient?« »Manchmal schon, manchmal aber auch nicht.« »Wenn du der Meinung warst, du hast die Strafe nicht verdient, wie hast du dich dann gefühlt?« »Das muss ich dir doch wohl nicht erklären! Dann fühlt man sich ungerecht behandelt und ohnmächtig!«

»Ich will dich wirklich nicht ärgern. Andere Frage: Hast du deinem Sohn auch mal den Hintern versohlt?« »Worauf willst du hinaus?! Ich versohle meinen Mitarbeitern nicht den Hintern!« »Das glaube ich dir doch! Beantwortest du mir die Frage?« »Nein, mein Gott! Ich habe meinem Sohn nie den Hintern versohlt. Obwohl mir manchmal danach gewesen ist. Kinder wollen halt ihre Grenzen testen.« »Warum hast du das nicht gemacht? Das ist dir selbst doch nicht schlecht bekommen.« »Du stellst Fragen! Weil man das heute nicht mehr macht!« »Sonst hättest du ihn aber hin und ab mal den Hintern versohlt?« »Quatsch!« …

»Wenn dir dein Sohn auf der Nase rumgetanzt ist und du darüber nachgedacht hast ihm dafür einen Klaps auf den Hintern zu geben, wie hast du dich in dem Moment gefühlt?« »Ich war sauer! Was denn sonst?« »Hast du dich dann auch ohnmächtig gefühlt?« »Ja, kann sein! Also ja. Warum?«

»Du hast dich als Kind ohnmächtig gefühlt wenn du zu unrecht bestraft wurdest oder nicht verstanden hast warum du bestraft wurdest, und du fühlst dich als Erwachsener ohnmächtig wenn dir jemand auf der Nase herumtanzt.« »Ja, das ist doch normal!« »Aber was passiert danach? Wie kompensierst du das Ohnmachtsgefühl?« »Das kommt darauf an.« »Okay. Folgt der Ohnmacht eher etwas Gutes oder etwas Schlechtes?« »Eher etwas Schlechtes.« »Zufrieden geht anders, oder?« »Logisch!«

»Hilft ein Klima von Unzufriedenheit und Ungerechtigkeit ein Team nach vorn zu bringen?« »Naja, die Frage ist, ob das überhaupt noch ein Team ist.« »Jepp.« »Lange Rede kurzer Sinn: Du willst mir damit sagen, dass meine beiden Mitarbeiter kein Autoritätsproblem haben?« »Wenn ein Mitarbeiter die Gründe für eine Entscheidung wissen und verstehen möchte, dann hat er kein Autoritätsproblem. Selbst dann nicht wenn er sagt, dass er anderer Meinung ist und diese begründet.«

»Ich habe aber den Eindruck, die beiden testen wie Kinder die Grenzen aus.« »Meinst du, Chefs testen nicht ihre Grenzen aus?« »Hä?!« »Was ist zum Beispiel mit den großen Firmen und Banken die von ihren Chefs vor die Wand gefahren wurden, weil diese sich im Rausch von Macht und Geld immer maßloser verhalten haben?« »Hm. Stimmt.« »Das könnte man doch auch als Autoritätsproblem bezeichnen.« »Aber gegenüber welcher Autorität haben diese Chefs denn ein Problem?« »Gegenüber ihren Mitarbeitern, für die sie eine Verantwortung tragen? Gegenüber der Gesellschaft in der sie wirken? Gegenüber dem Staat, also dem Steuerzahler, der die Bank ‚angeblich‘ retten muss?«