Passt auf Euch auf!

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Eine untergehende Sonne zwischen Wolken über Häuser

00:01 Uhr, das Erinnerungspiepen vom iPod weckt mich. Was ist heute für ein Tag? Woran soll ich mich erinnern? Ach ja, Klaus1 hat heute Geburtstag. Hat? Hätte. Er hätte heute Geburtstag, wenn er noch leben würde. Klaus wäre heute 60 geworden. Es dauert lange, bis ich wieder einschlafe.

Ein paar Stunden später stehe ich auf, koche Kaffee, werfe den Toaster und die kleine Musicbox in meiner Küche an. Die Musik lässt mich wieder an Klaus erinnern. Ich bin mir sicher, er hätte sie gemocht. Wir hatten einen sehr ähnlichen Musikgeschmack.

Klaus war unser Bester. Was immer wir taten, Klaus hat uns alle getoppt. Egal ob beim Squash, Volleyball, Joggen oder Fahrradfahren, er hat uns geschlagen. Wenn wir bierseelig in irgendeiner Kneipe Armdrücken um Runden gegen andere Cliquen veranstalteten, Klaus ließ uns kostenlos noch bierseeliger werden. Wie oft haben wir beide uns in Kickerturnieren eingeklingt – und alle abgezogen. Er zauberte, und ich war ein Statist mit zwei Griffen in der Hand. Wer verschmolz regelrecht beim Motorradfahren mit den Kurven? Klaus, wer sonst?

Auch beruflich legte Klaus eine steile Karriere hin. Kein Wunder, bei dem Organisationstalent. Er hätte noch viel höher hinaus gekonnt. Doch seine Familie und seine Kumpels blieben ihm wichtig. Seine Herkunft hat er nie geleugnet. Abheben war nicht sein Ding, Bodenhaftung schon. Wenn er eben konnte, ließ er jedes Festbankett für ein Kartoffelbraten mit uns sausen. Wie oft sahen wir ihn, noch in einem „Kommunionanzug“ eingequetscht, von einem Termin kommend herbeieilen.

Ich könnte Seiten füllen, wenn ich all die verrückten Sachen auflisten würde die wir ausgeheckt haben. Was haben wir gelacht. Er liebte es, Dinge auf den Kopf zu stellen. Klaus war schlicht omnipräsent. Wann immer einer von uns Hilfe brauchte. Klaus eilte herbei. Zwei Bäume im Garten fällen? Kein Problem. Klaus rückte mit Trecker, Hänger und Motorsäge an und erledigte das. Wenn jemand in der Clique gemobbt wurde, Klaus schlichtete.

Dieser Mann war ein Phänomen. Und auch darin war er unschlagbar: Er konnte Menschen begeistern, mitreißen, anspornen. – Aber offensichtlich nicht sich selbst. Einen Monat nach seinem 50. Geburtstag hat er sich das Leben genommen.

Wenn wir beide allein unterwegs waren, haben wir uns oft lange und intensiv unterhalten. Manchmal hat er dann einen Blick in die Hinterzimmer seiner Seele zugelassen. Dann sah ich etwas, was man im Alltag nicht mit ihm in Verbindung gebracht hätte: Zweifel und Traurigkeit. Den Grund dafür konnte ich nicht erkennen. Möglicherweise kannte auch er ihn nicht. Aber nie hätte ich gedacht, dass das diesen gigantischen Mammutbaum dazu bringen könnte, zusammenzubrechen.

We all need somebody
like the flowers need the sun
together we go strong.

Love, Klaus Major Heuser Band

Passt auf Euch auf!


  1. Den Namen habe ich geändert. [return]