Meine Energiequelle

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Ein alter, knorriger Baum wird vom Abendlicht der Sonne angestrahlt. Im Hintergrund Wiesen, Bäume und begrünte Berge.

»Woher nimmst du eigentlich deine Energie?«, bin ich kürzlich gefragt worden. Die Frage hat mich überrascht. Aber auch meine Antwort. Deswegen versuche ich den Dialog mal zu rekonstruieren.

»Da ist die Geschichte mit deiner Mom, da sind die vielen Enttäusschungen in deinem Job die an dir zehren, da ist die Baustelle, bei der dauernd andere Schwierigkeiten auftreten, und jetzt erzählst du mir noch, dass du nicht mehr daran glaubst, dass wir den Klimawandel aufhalten können. Und all das bedrückt dich doch nicht erst seit ein paar Wochen. Um deine Mom kümmerst du dich doch schon seit Jahren.« Ich ließ sie weiterreden. »Das kostet doch alles Kraft! Aber du wirst nicht krank, du nimmst nicht ab, du reagierst nicht mit einer Scheißegalhaltung – du machst einfach weiter.« »Naja, ich bin schon oft grantelig. Und wenn es eben möglich ist, ziehe ich mich zurück.« »Klar, du versuchst dir die Luft zum Atmen zu verschaffen. Doch woher nimmst du Energie?« – »Grün.«

Meine Antwort kam spontan. Meine Gesprächspartnerin war verblüfft. »Grün?« Fragezeichen hüpften ihr über das Gesicht. »Natur, Pflanzen, Wälder«, ergänzte ich, »Das alles assoziiere ich mit Grün. Grün beruhigt mich.« »Aber Natur ist doch auch lebendig! Sehr lebendig sogar.« »Ja. Das bin ich auch. Aus dem Grund«, gab ich zurück und musste dabei grinsen.

Ich hätte noch sagen können, Menschen inszenieren sich, Natur gestaltet.1 Aber auch Pflanzen und Tiere inszenieren sich. Und warum? Meistens nur, um zu beeindrucken. Das andere Geschlecht zum Beispiel. Aber das Fass mache ich heute nicht auf.

Klar, es gibt es noch eine Menge anderer Dinge, woraus ich Energie schöpfe. Aber ohne das Grün würde mir ein großes Stück Lebensqualität fehlen.