Mein Freund der Baum

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Die Krone eines alten Baumes Die Hudeeiche auf dem Lüdenberg in Lügde

Ich saß im Sandkasten und schaute meinem Dad dabei zu, wie er in unmittelbarer Nähe meiner Sandburgen einen Kirschbaum pflanzte. Und ich kann mich noch genau erinnen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe. Anscheinend habe ich schon als kleines Kind einen Faible für Pflanzen gehabt.

Im Laufe der Jahre etablierte sich der Kirschbaum als Hausbaum. Denn im Verhältnis zur Größe des Gartens ist er zu einem gigantisch großen Baum herangewachsen. So schön wie er auch war, ich hatte Sorge, dass seine ausladenden Äste bei einem Sturm abbrechen und Schäden am Haus verursachen könnten. Und als Schattenspender war er mittlerweile übereifrig. Mit einem Verjüngungsschnitt verhalf ich ihm zu einer Lebensverlängerung von immerhin zwanzig Jahren.

Doch dann fing der Kirschbaum an zu kränkeln. Die Zweige ganzer Äste trugen kein Laub mehr. Ein Baumspezialist schaute ihn sich genau an und schüttelte den Kopf: »Den werden wir leider nicht mehr retten können.« Im Januar 2016 haben wir ihn bis auf einen Stumpf von zirka 1,50 Meter heruntergeschnitten.

Du bist hier groß geworden, du hast uns mit so vielen Kirschen beglückt, du warst ein wunderbarer Schattenspender bei so vielen Kaffeekränzchen, und ich erinnere mich noch gern an die vielen Stunden die ich liegend und lesend unter deinen Ästen verbracht habe – du bleibst hier.

Kein Stück Stamm, keinen Ast von dem Kirschbaum habe ich entsorgt, nichts davon in einem Ofen verfeuert. Er ist vollständig dort geblieben, wo er gewachsen ist. Im Garten.

Die Meterstücke seines Stammes, immerhin fast 50 Zentimeter im Durchmesser, verteilte ich als Hintergrundkulisse für einzelne Beete. Bizarre Ast-Vergabelungen drapierte ich als Deko in die Beete. Gerade gewachsene Aststücke wurden zu Beeteinfassungen.

So habe ich das immer gemacht, wenn die Uhr einer seiner und meiner Freunde abgelaufen war. Alle Bäume und Sträucher in meinem Garten die in den vergangenen Jahren „kaputt“ gegangen sind, sind geblieben – als Rückzugsgebiete für Insekten und später als Humus – als Grundlage für neues Leben.

Warum ich das schreibe? Vergangene Woche habe ich zufällig mal wieder „Wissen vor acht“ im Ersten gesehen. Der Titel der Folge, moderiert von Thomas D: Im Totholz tobt das Leben!

Jupp, ich schreibe oft über solche Dinge. Bleistifte: Wie aus das sieht? oder Der Wald wird gefegt. Wenn Ihr noch mehr davon lesen möchtet, schaut Euch einfach unter dem Hashtag #Garten um.