Freund:innen

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Eine Wiese voller blühender Blumen.

Besonders in den vergangenen Wochen habe ich mich rar gemacht. Sehr rar. Mit Freundinnen und Freunden Essen, ins Kino, feiern gehen – das findet für mich zurzeit nicht statt. Selbst dem von mir so geliebten Yoga-Unterricht bleibe ich fern. Ich gehe zur Arbeit, besuche meine Mom wann immer ich kann, und wenn sich eine Lücke ergibt, werkele ich an der Baustelle, die mit einem Wasserschaden in der Küche Anfang des Jahres begann, und die sich zwischenzeitlich über die ganze Wohnung ausgebreitet hat.

Meiner Mom geht es sehr schlecht. Und obwohl ich sie dreimal am Tag besuche, also Routine haben müsste, macht es mich jedes Mal sehr traurig, sie so zu sehen. Sie kann sich kaum noch bewegen. Ihre Haut hängt wie nasse Handtücher an ihren Knochen.

Kurzum, das alles erschöpft mich sehr. Das „strahle“ ich natürlich auch aus. Esprit geht anders.

Freundschaften muss man pflegen, heißt es. Aber zurzeit pflege ich nur noch meine Mom. Und manchmal mich. Für die Pflege von Freundschaften bleibt da nichts. Auch das macht mir sehr zu schaffen.

Dann ist es ein wunderschönes Gefühl zu spüren, wenn sich Freund:innen dennoch nicht abwenden. Dass sie nicht müde werden zu fragen: »Wie geht es Dir?«, und mir auch wirklich aufmerksam zuhören, obwohl das, was ich dann erzähle, für sie weder neu, spannend noch schön ist. Dass sie auch immer wieder fragen: »Wir wollen heute Abend … Komm doch mit!« Und wenn ich dann sage: »Nein, ich kann nicht«, das ohne wenn und aber akzeptieren.

Ein sehr lieber Bekannter schickte mir vor ein paar Tagen ein Gedicht. Es heißt „Die Schale der Liebe“ und wird Bernhard von Clairvaux zugeschrieben. Der letzte Absatz des Gedichtes lautet:

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

Bernhard von Clairvaux

„Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.“ – Danke an alle, die mir in den vergangenen Wochen den Raum gegeben haben, die Prioritäten anders zu setzen. Die ungeachtet dessen nicht von meiner Seite gewichen sind, obwohl ich für sie nicht da war. Ich liebe Euch.