Die Schneeflocke und die Umweltverschmutzung

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Hinter einem Strommast scheint hell der Mond. Natürliche Illumination

Ja, ich bin manchmal, eigentlich relativ oft, eine Spaßbremse.1 So wie neulich: »Wie fandest du das Feuerwerk?« »Ich habe es nicht gesehen. Ich finde Feuerwerke überflüssig.« »Was?! Warum das denn? Die sind doch schön! Und das Feuerwerk war sogar besonders schön! Und diese Lasershow dazu - einfach toll!«

Warum störe ich mich an Feuerwerken und unnötigen Illuminationen? Feuerwerke wie Illuminationen sind meistens schön anzusehen, ohne Frage. Aber was schön ist, muss noch lange nicht gut sein.2 Denn sowohl bei Feuerwerken als auch bei Illuminationen handelt es sich um Umweltverschmutzung.

Eine Gefährdung, die von Feuerwerken ausgeht, ist die Belastung der Umwelt mit gesundheitsschädlichem Feinstaub PM10, also Staubteilchen mit einem Durchmesser kleiner als 10 µm. […] Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes werden in Deutschland durch Feuerwerkskörpern jährlich ca. 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt, der größte Teil in der Silvesternacht. Dies entspricht ca. 15,5 % der Menge, die der Auto- und LKW-Verkehr während des gesamten Jahres verursacht.

— de.wikipedia.org: Feuerwerk

Es gibt noch weitere Argumente, die gegen Feuerwerke sprechen – zum Beispiel die Auswirkungen für die verängstigte Tierwelt.

Lichtverschmutzung beeinflusst bestehende Ökosysteme. So wie verschmutzte Meere, Böden oder Lufträume für viele Spezies nicht mehr bewohnbar sind, so hat auch die Verkleinerung von Gebieten, die während der terrestrischen Nacht nur von Gestirnen aufgehellt werden, vielfältige Folgen.

Pflanzen werden durch eine künstlich aufgehellte Umgebung in ihrem Wachstumszyklus beeinflusst: Was bei Zuchtpflanzen in Gärtnereien durchaus erwünscht ist, kann für empfindliche Naturpflanzen zum Problem werden. So wurde bereits vielfach beobachtet, dass Laubbäume in unmittelbarer Nähe von Straßenlampen ihre Blätter verspätet verlieren, wodurch es wiederum zu Frostschäden kommen kann.

— de.wikipedia.org: Lichtverschmutzung

Auch das ist nur ein Auszug von den Nachteilen, die unnötige Illuminationen noch verstärken. Viele denken bei dem Thema an illumininierte Gebäude. Doch auch eine scheinbar unbedeutende Entwicklung macht mir Sorgen: Heute gibt es kaum noch Gärten, in denen wenn es dunkel ist, nicht irgendeine „schöne“ Illumination zu sehen ist. Aber …

Ich verstehe, dass Pendler die 20 Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle und zurück mit dem Auto statt mit dem Fahrrad überbrücken, wenn es keine adäquaten Möglichkeit gibt weniger umweltbelastend solche Strecken zu fahren. Die Verkehrspolitik lässt sich leider nicht so einfach komplett umstrukturieren. Bis dahin können Pendler nicht auf das umweltbelastende Auto verzichten.

Aber wir können auf Dinge verzichten, die einfach „nur schön“ sind. Wir müssen unsere Umwelt nicht auch noch mit „nur schön“ belasten.

»Volker, das Feuerwerk wird es weiterhin geben. Auch wenn du dir das nicht anguckst.« »Ja, und der Flieger in das ‚Urlaubsparadies‘ fliegt auch ohne mich. Solche ‚Argumente‘ bekomme ich oft zu hören.«

Keine Schneeflocke in der Lawine wird sich je verantwortlich fühlen.

Stanisław Jerzy Lec

Update 28.4.2019:

Ich möchte Euch noch die Rede von Greta Thunberg ans Herz legen, die sie am 23.4.2019 vor dem britischen Parlament gehalten hat. Stefan Münz hat die Rede dankenswerterweise für uns übersetzt. Hier nur ein Auszug daraus. Ich empfehle Euch aber, die komplette Rede zu lesen.

Um das Jahr 2030, also in 10 Jahren, 252 Tagen und 10 Stunden, wird eine Situation eintreten, in der wir eine nicht mehr rückgängig zu machende Kettenreaktion in Gang setzen werden, die sich der menschlichen Kontrolle entzieht, und das wird höchstwahrscheinlich zum Ende der Zivilisation führen, wie wir sie kennen. […] Diese wissenschaftlichen Berechnungen beinhalten auch weder die bereits gespeicherte Erwärmung, die durch toxische Luftverschmutzung verborgen ist […]

Greta Thunberg

Ausgangspunkt des Artikels war ja die Luftverschmutzung, die auch durch Feuerwerke verursacht wird. Daher noch mal dieser Satz von Greta Thunberg: „Diese wissenschaftlichen Berechnungen [zum ‚Zeitpunkt ohne Rückkehrmöglichkeit‘] beinhalten auch weder die bereits gespeicherte Erwärmung, die durch toxische Luftverschmutzung verborgen ist noch den Aspekt […]“


  1. Wobei ich mich hier mutmaßlich aus der Sicht der meisten meiner Gesprächspartner-/innen beschreibe. Ich sehe mich grundsätzlich nicht als Spaßbremse. ;-) [return]
  2. Siehe auch: Sie wollen schön, statt gut? [return]