Die drei Unsichtbaren

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Eine Skulptur: Buddha-Kopf

Aus der Reihe Lebensweisheiten und so’n Kram, heute ein Spruch von einer lieben Freundin.

Drei Leute wohnen in unserer Stadt1. Ich habe sie noch nie gesehen. Aber jeder kennt sie: man, einer und jemand.

Das ist ihre Reaktion auf Sätze wie: »Da muss doch einer mal was machen!« Ich ertappe mich mitunter auch, dass ich diesen unsichtbaren „man“ in der Pflicht sehe; zum Beispiel wenn ich eine hitzige Debatte beobachte und mich frage: »Warum kann man nicht höflich bleiben?« Die Frage, ob ich immer wertschätzend kommuniziere, stelle ich mir nicht. Stillschweigend gehe ich davon aus. Doch wenn ich darüber nachdenke ist mir klar: Ich bin nicht tadellos. Keineswegs.

Nun, auch wenn ich vermutlich nie tadellos sein werde, mein Handeln ständig zu hinterfragen und gegebenfalls zu korrigieren, das sollte drin liegen: Könnte auch ich dieser ominöse „man“, „einer“ oder „jemand“ sein? Mache ich es besser? Trage ich meinen Teil dazu bei, dass die drei Unsichtbaren gar nicht erst „angefordert“ werden? Solche Fragen will ich mir künftig häufiger stellen.

Denn ich glaube, die drei Unsichtbaren haben sich weit mehr zuschulden kommen lassen, als Unfrieden im Alltag zu stiften.

In Berlin gibt es seit vielen Jahren ein Theaterstück namens “Ich bin es nicht — Adolf Hitler ist es gewesen”. Den Spruch sollte sich jeder zu Herzen nehmen. Der war damals wahr und der ist heute wahr.

— Felix von Leitner, blog.fefe.de, 15.10.2019

Die Hervorhebung im Zitat ist von mir.


  1. Die Stadt ist eine Varible. Alternativen sind „in unserem Haus“, „in unserem Land“ und so weiter. [return]