Der Mann mit dem Röckchen

Was zeigt das Hermannsdenkmal? Wofür steht das Hermannsdenkmal? Zwei Fragen, denen ich aus aktuellem Anlass mal wieder nachgehe.
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Hermannsdenkmal Der Mann mit dem Röckchen

Es sei ein „martialisch, kriegerisch wirkende[s] Denkmal“ soll Robert Habeck über das Hermannsdenkmal gesagt haben1. Die Statue zeige einen „hässlichen Mann mit Minirock“2.

Darüber sollen sich einige lippische Politiker mächtig geärgert haben: „‚Das Wahrzeichen von Lippe dient heute als Mahnmal für Frieden und Demokratie‘, wird Julian Hördemann, Vorsitzender der Jusos Lippe, zitiert.“2

Neulich habe ich den guten Herrn Habeck noch kritisiert. Heute muss ich, obwohl Lipper, ihn jedoch ein bisschen zur Seite springen.

Also: Was heißt „martialisch“?

mit unverhohlener Härte gegen jemanden oder etwas vorgehend; grausam, kriegerisch, furchterregend

— de.wiktionary.org: martialisch

Da zeigt eine Kolossalstatue einen Mann, der in Siegerpose ein langes Schwert gen Himmel reckt. An seinem linken Bein lehnt ein großes Schild, eine Schutzwaffe. Seinen Kopf „schmückt“ ein heroisch wirkendender Helm mit Flügeln. Also für mich wirkt das sehr martialisch und kriegerisch. Einen Parzifisten scheint mir das Denkmal jedenfalls nicht darstellen zu wollen.

Ob der Hermann hässlich ist oder nicht, das kann jeder für sich entscheiden – denn das ist Geschmacksache. Und wenn Robert Habeck sagt, jener Mann auf dem Sockel ist hässlich, nun, dann ist das seine Meinung.

Fakt ist jedoch, die Statue, die den Hermann darstellen soll, zeigt einen Mann mit Röckchen. Das war vielleicht so um das Jahr 9 der letzte Schrei. Ich weiß es nicht. Aber ich vermute, im Gegensatz zu unseren Klamotten heute, war die Kleidung nachhaltig.

Kurzum: Die Äußerungen von Robert Habeck sind grundsätzlich nicht zu kritisieren. Allerdings können wir darüber diskutieren, ob die Art und Weise das so zu tun sinnvoll ist.

„Das Wahrzeichen von Lippe dient heute als Mahnmal für Frieden und Demokratie“, wird Julian Hördemann zitiert. Das sehe ich dem Denkmal nicht an.

Ein Mahnmal ist eine Spezialform des Denkmals, das durch seine öffentliche Präsenz mahnend an ein historisches Ereignis erinnern soll. Mahnmale sollen im Betrachter Betroffenheit erzeugen und das Erinnern über die Generationen hinweg tradieren.

— de.wikipedia.org: Mahnmal

Nun, betroffen macht mich das Denkmal nicht. Und wenn ich mir das Denkmal nur anschaue, verbinde ich es nicht mit Frieden und Demokratie. Im Gegenteil. Aber: Mit ein paar Gedankenkurven lässt sich jedoch eine Erklärung finden, warum das Denkmal heute als Zeichen des Friedens verstanden werden kann. Dazu später mehr. Allerdings: Demokratie hier ins Bild zu bringen, das finde ich dann doch zu weit hergeholt.

Wenn ich das Denkmal sehe, muss ich immer an eine Geschichte denken, die nun schon zehn Jahre zurück liegt.

Das Denkmal soll an den Cheruskerfürsten Arminius erinnern, insbesondere an die sogenannte Schlacht im Teutoburger Wald, in der germanische Stämme unter seiner Führung den drei römischen Legionen XVII, XVIII und XIX unter Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 eine entscheidende Niederlage beibrachten.

— de.wikipedia.org: Hermannsdenkmal

Es geht um die Varusschlacht, einen Krieg, der nach dem Verlierer benannt wurde.

Seit Jahrhunderten ist die geographische Lage des Schlachtfeldes umstritten, da die schriftlichen Zeugnisse zur Varusschlacht keine genaue Lokalisierung zulassen.

— de.wikipedia.org: Varusschlacht

2.000 Jahre nach dieser Schlacht, 2009, gab es reichlich Veranstaltung, die den Krieg zum Thema machten. Das „Jubiläum“ hat auch viele Historiker in die Schlagzeilen gespült, die sich wie in einer Art Goldgräberstimmung auf den Weg machten zu erklären, wo denn die Schlacht nun wirklich stattgefunden hat. Immer hatte ich das Gefühl, dass die potenziellen Orte des Krieges sich geradezu darum rissen, die Varusschlacht für sich vereinnahmen zu können. Weil – sowas lässt sich vermarkten, touristisch aus-schlachten. Das ist nicht nur fragwürdig, das ist krude! – Die Varusschlacht ist dafür aber nur ein Beispiel von vielen.

Mahnende Worte wie: »Leute, wir reden hier über einen Krieg, eine Schlacht, bei der viele Menschen ihr Leben ließen. Wir sollten das nicht feiern, nicht zelebrieren, wir sollten darüber eher trauern«, habe ich kaum wahrgenommen – und wenn, nur als Randnotiz.

Insofern finde ich es ziemlich schräg, das Hermannsdenkmal jetzt auf einmal als Zeichen des Friedens darzustellen. Wie gesagt, das lässt sich herleiten, aber nicht so, wie es gerade mal in die Diskussion passt. 2009 war die Gelegenheit, das Hermannsdenkmal mit dieser Prägung zu versehen. Diese Chance ist jedoch vertan worden. Leider.

Robert Habeck hätte, statt über das Hermannsdenkmal zu frotzeln, genau diesen Aspekt thematisieren können. Er hätte sagen können: »Wir sollten uns immer bewusst machen, dass das Hermannsdenkmal als ein Symbol für einen Krieg steht. Und heute sollte es uns mahnen, immer den Weg des Friendes zu suchen.«

Möglicherweise meinte Julian Hördemann diesen Aspekt, als er sagte: „Das Wahrzeichen von Lippe dient heute als Mahnmal für Frieden und Demokratie“. Nur: Das sieht man dem Hermann nicht an. Und deswegen hätte er es erklären müssen.

Das Hermannsdenkmal ist aufgrund seiner Größe imposant und faszinierend. Und es wirkt sehr heroisch. Gerade deswegen ist es meines Erachtens wichtig, immer wieder, auch ausführlich zu erklären, warum das Denkmal heute für Frieden stehen soll.3


  1. Siehe: www.lz.de, Grünen-Chef Robert Habeck auf Heimatsuche am Hermannsdenkmal, 13.7.2018 [return]
  2. Siehe: www.lz.de, Lippische Parteien kritisieren Habecks Äußerungen zum Hermann, 21.1.2019 [return]
  3. … wenn das Denkmal denn wirklich für Frieden stehen soll. [return]