Aus der Reihe „Brot und Spiele“

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Mehrere große, quadratische, verwitterte Natursteine liegen hintereinander.

Mit Fußball habe ich „keine Verträge“. Fußball finde ich verdächtig. Mindestens. Wobei ich nichts gegen den Sport Fußball an sich habe. Ich hadere mit all den Wucherungen drumherum. Klar, solche Geschwulste gibt es bei vielen Sportarten. Nur sind sie dort nicht so ausgeprägt. Das macht sie jedoch für mich nicht attraktiver.

Aber Fußball ist besonders krank. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Um nur ein Beispiel vorab zu nennen: Uli Hoeneß, die Steuerhinterziehung und die ruckelfreie Rückkehr an die Vereinsspitze des FC Bayern. »Kannst du keinen Menschen verzeihen?«, fragte mich mal ein „eingefleischter“ Bayern-Fan.

Wird einer Kassiererin in der Filiale eines Discountunternehmens die 20 Euro aus der Kasse entnommen1 hat und dafür gekündigt wurde auch verziehen? Wird sie nach ein paar Monaten des Darbens mit Hartz IV auch wieder jubelnd von dem Discounter empfangen?

Uli Hoeneß war ganz oben. Für mich gehört die Vorbildfunktion bei Führungsaufgaben zu einer der wesentlichen Einstellungsvorraussetzungen. Kein Vorbild, keine Führungskraft.2

Bei einem anderen, aktuellen Beispiel hat Jens Berger von den NachDenkSeiten einige der Wucherungen des Fußballs anschaulich offengelegt. Es geht um Clemens Tönnies, seines Zeichens Aufsichtsratschef von Schalke 04.

Welch bittere Ironie – ein Fußballkonzern, der nach außen das Image eines Arbeiterclubs pflegt, wird von einem Großkapitalisten geführt, dessen Reichtum ganz maßgeblich auf der Ausbeutung von Arbeitern beruht. Kann die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit größer sein?

— Jens Berger: BILD, SPIEGEL und die verlorene Ehre des Clemens Tönnies, www.nachdenkseiten.de, 8.8.2019

Dann folgt ein Satz, den ich eigentlich unterstreichen müsste. Leider.

Die Fußballwelt tickt nicht nur anders – sie ist ein Musterbeispiel für Heuchelei und Doppelmoral.

Und dieser Absatz führt mich zur Überschrift zurück.

Wenn es nach den Medien und den Fußballfans geht, gibt es hier erstaunlicherweise gar keine Diskrepanz. Steuerkriminalität, Bereicherung über Wettbewerbsverstöße und systematische Ausbeutung von Arbeitern sind in diesem unseren Lande demnach mit dem „Ehrbegriff“ vereinbar, den „wir“ an unsere „Eliten“ anlegen.

Brot und Spiele. Ich will nicht nachdenken. Ich will Spiele!


  1. Ich schreibe bewusst „entnommen“ statt „geklaut“. Sonst hätte ich bei der bewussten Steuerhinterziehung auch schreiben müssen: mit Vorsatz die Steuerzahler:innen beklaut. [return]
  2. Sicher, auch hier gilt: Es kommt darauf an. Aber von Uli Hoeneß hätte ich nach seiner Haft mehr Demut erwartet. [return]