Akustische und visuelle Duldung

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Ein Pilz im Moos

Kürzlich fragte ich: Sie wollen schön, statt gut? »Das ist so! Sie wollen schön, statt gut.«, bestätigten mir einige LeserInnen. Offensichtlich ist das ein Trend: Wichtig ist die Verpackung – Inhalte sind sekundär.

Dazu passt auch der Artikel „Daily Dueck 336: Bulimie-Präsentieren oder PowerPoint-Bulimie“ von Prof. Dr. Gunter Dueck.

Es ist heute üblich geworden, dass alles und jedes präsentiert werden muss. Man muss heute in Meetings nichts mehr diskutieren oder verstehen, ja, nicht einmal zuhören. Man wartet die Präsentationen geduldig ab und geht in die Kaffeepause. Das war’s. Vergessen. […]

Eine Präsentation muss vor allem schick aussehen, sonst glaubt niemand an die Inhalte, logo, das ist gewiss. Was sind eigentlich die Inhalte?

— Prof. Dr. Gunter Dueck, DD336: Bulimie-Präsentieren oder PowerPoint-Bulimie, 11.3.2019

PowerPoint-Bulimie – schöner Begriff, nicht wahr? Genauso schön wie der Begriff, den ich gestern gelernt habe. Er passt auch zum Thema:

Wirkliches Zuhören ist weit mehr, als den anderen bloß ausreden zu lassen, was eher einer «akustischen Duldung» gleichkommt. Das Aktive Zuhören (welches als Inbegriff des guten Zuhörens gilt) ist oft mühsame Arbeit und eine selbstlose Leistung, die wir zum Gelingen des Kontaktes erbringen und bei der wir (vorrübergehend) eigene Impulse zurückstellen.

— Miteinander reden von A bis Z 1, Lexikon der Kommunikationspsychologie: Zuhören

Für schön „erdulden“ wir. Für gut fehlt dann die Zeit.


  1. Miteinander reden von A bis Z, Lexikon der Kommunikationspsychologie, Friedemann Schulz von Thun, Kathrin Zach, Karen Zoller, Rowohlt Verlag GmbH, 2012, 3. Auflage 2017, Seite 254. [return]