Zu viel Kies soll verboten werden

Kann Mann Kies zu viel haben? Ja, das kann durchaus ungesund sein, meinen einige. Aber welche Mittel helfen gegen diese „Krankheit“?
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Ein Garten mit Bäumen Herbst im Garten

„Zu viel Kies im Vorgarten: Müssen Hausbesitzer jetzt mit Verboten rechnen?“, titelte kürzlich www.nrw.de.

Er bestimmt zunehmend das Bild in Vorgärten: Kies. In Metallkörben als Heckenersatz oder gleich als ganzes Beet. Modern sei das, sagen die einen. Pflegeleicht, die anderen. Städte und Kreise in NRW sehen aber zunehmend ein Problem: eines mit der Umwelt.

www.nrw.de, 12.10.2018

Mit dem Problem habe ich mich hier ja schon oft auseinandergesetzt. Zwei Gedanken dazu, die der Artikel von nrw.de aufgreift, habe ich hier jedoch noch nicht thematisiert.

Sind Stein-Vorgärten wirklich pflegeleichter? Von Landschaftsgärtnern, und die sollten es ja wissen, bekommt man hierzu eine klare Antwort: Auf lange Sicht ganz bestimmt nicht.

www.nrw.de, 12.10.2018

Warum das so ist, das wird in dem Artikel auch erklärt. Aber ich gebe Euch ein einfaches Beispiel. Habt Ihr mal auf gepflasterte Verkehrsinseln geachtet? Auf gepflasterte Kreisel-Inseln? Macht das mal. – »Früher oder später kriege ich sie doch!«, sprach der Löwenzahn.

Was ich aber noch nicht wusste ist, dass das Problem der „Versteinerung“ von Gärten, Friedhöfen und so weiter in anderen Städten bereits heftig diskutiert wird. Und um dem Einhalt zu gebieten, wird über Verbote nachgedacht: Zu viel Kies soll verboten werden!

Nun ja, wenn man mit der Keule winkt muss man sich nicht wundern, wenn das auf wenig Begeisterung stößt. Ich würde es erstmal mit Anreizen probieren. Für die, die es gern etwas hipper ausgedrückt haben wollen: Nudging.

Unter einem Nudge verstehen die Autoren eine Methode, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen.

— de.wikipedia.org: Nudge

Oder noch besser – statt Beeinflussung Boosting, also Verstärkung1.

Anreize wären, Menschen zu belohnen die hohe grüne Hecken an ihren Hausgrundstücken haben oder pflanzen, statt sie mit Metallkörben voll mit Kies zu versehen. Sie zu belohnen, wenn sie Sträucher und Bäume in ihre Vorgärten setzen, statt sie mit Steinen zuzupflastern.

Nudging wäre, wenn ich den Leuten dabei erkläre, wie schecht das Versiegeln von Flächen für die Umwelt ist. Damit würde ihnen eher ein schlechtes Gewissen gemacht. Wenn ich stattdessen aber erkläre, welche Vorteile das für die Umwelt, Natur und für „deine“ Stadt hat – dann ist das eher Boosting.

Belohnungen könnten sein, Zuschüsse, Steuervorteile und Anerkennung. – Anerkennung? Ja, ich habe ja schon vor einer ganzen Weile geschrieben, dass auch die Pflege von Grün im eigenen Garten ein Ehrenamt sein kann.

Update 29.10.2018: Zu der Meinung: “die ,Versteinerung’ von Gärten und Friedhöfen sei modern”, ist mir auch noch ein Gedanke gekommen. Anders ausgedrückt heißt das doch: Steine sind modern, Pflanzen nicht. Oder kurz: Natur ist unmodern. Das ist schon ein ziemlich kruder Zeitgeist in einer Zeit, in der wir live erleben können, wie uns das Klima auf die Füße fällt.

Update 1.11.2018: Freilich tragen die „Versteinerungen“ auch zum Insektensterben bei:

Um das Insektensterben zu stoppen, müssen nicht nur die Bauern umdenken. Wir alle sind gefordert - und zwar schnell. […] Es reicht jedenfalls nicht, mit dem Finger auf die Landwirte zu zeigen und nach mehr “Bio” zu schreien. […] Fatal wäre es aber zu glauben, dass sich das Problem mit ein paar Blühstreifen hier und ein paar Brachflächen da lösen ließe.

— www.sueddeutsche.de: Ein paar Beete reichen nicht, 28.10.2018

Die Hervorhebungen sind von mir.