Wessen Leben?

Ein Baum in den Emmerwiesen von Lügde

Alle wollen begehrt sein. Weil sie schön sind, weil sie exotisch sind, weil sie selten sind, weil sie Action – oder weil sie Ruhe bieten. Hilfreich sind dabei Orden. Wer ausgezeichnet, zertifiziert und ernannt wurde kann sagen: »Seht her! Der oder die sagen es auch: Ich bin wer!« So machen wir das nicht nur mit uns selbst, sondern auch mit unseren Orten und Regionen.

Die Regale im Tourismus-Supermarkt sind proppevoll. Angebote für jederfrau und -man, pauschal oder total individuell. Alle buhlen sie um uns, die wir dem schnöden Alltag entfliehen wollen. – Wollen? Nein, müssen! Denn längst ist die Urlaubsreise zur Pflicht geworden. Wehe dem, der auf die Frage: »Und wohin fliegst du in den Urlaub?« mit: »Ich bleibe zu Hause« antwortet.

»Mein Schwager ist völlig irre! Der fliegt nicht in den Urlaub. Nie! Er meint, er wolle nicht die Umwelt verpesten,« erzählte mir kürzlich jemand nebenbei. Tja, von Klima- und Umweltschutz zu reden ist das eine, aber dafür auch Verzicht zu üben, ist irre. Doch es gibt sie, Mitmenschen die umdenken: Warum ich kein Tourist mehr sein möchte.

Wenn alle dahin fahren wo es schön ist, ist es da nicht mehr schön.

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Was wäre, wenn auch die Regionen und Orte beginnen würden sich beim Werben um Touristen in Zurückhaltung oder sogar in Verzicht zu üben? Damit würden sie einen großen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Und sie könnten damit sogar werben!

Tja, was würde passieren wenn wir uns in Verzicht üben? Dann könnten wir den Boden unter unseren Füßen, also unseren Planeten retten …

»Aber das Leben wäre nicht so schön!« – »Wessen Leben?«

Update 8.7.2018: Eigentlich wollte ich das noch in diesem Text untergebracht wissen. Nun habe ich einen zweiten Artikel daraus gemacht: Maria, Josef, Tourist!