Von Kopfhörerverboten, Dauerfehden, E-Autos und Parkplätzen

Ein Fahrradständer

Straßenverkehrspolitik war schon immer angesagt. Aber das in dem Zusammenhang auch über Fahrräder als Verkehrsmittel diskutiert wird, ist relativ neu. Und jetzt, wo die E-Bikes hoch im Kurs stehen, ist es trendiger denn je.

Diese Entwicklung deutet aber bereits darauf hin, warum bei den Diskussionen immer das Knistern der Spannung zu hören ist: Die Verkehrsplaner der letzten tausend Jahre hatten Fahrradfahrer-/innen nicht auf dem Schirm. Bestenfalls wurden sie irgendwie abgespeist, in dem sie sie auf mäandernden, holprigen Fahrradwegen verbannt haben. Wegen der Sicherheit. Natürlich.

Das Straßenverkehrspolitik noch immer oft von Leuten gemacht wird die das Fahrrad nicht als Verkehrsmittel im Alltag nutzen, erkennt man an kruden Ideen wie die, von der Andreas Edler anfang vergangener Woche schrieb: FDP fordert wieder mal irgendwas – heute: Kopfhörerverbot. Über den Rant von Andreas habe ich mich köstlich amüsiert.

Auch Torsten Kleinz hat die Idee vom Kopfhörerverbot für Fahradfahrer-/innen beleuchtet:

Der Vorschlag ist bemerkenswert zukunftsblind. Denn Elektroautos machen keinen Motorenlärm. Mehr Radfahrer und mehr Elektro-Autos bedeuten, dass wir uns immer weniger auf unser Gehör verlassen können.

— Torsten Kleinz, Radfahrer sind keine besseren Menschen, notes.computernotizen.de, 25.7.2018

In seinem Blog-Beitrag thematisiert Torsten einen Punkt, den ich vor einigen Wochen auch schon angesprochen habe: „die Dauerfehde zwischen ‚Radfahrern‘ und ‚Autofahrern‘“. Klar, wir müssen diskutieren, damit wir lernen können, damit wir einander besser verstehen. Aber: Es gibt nicht nur zwei Schubladen – die eine für die Guten die andere für die Bösen. Es gibt unzählige Schubladen, die wir mit Argumenten füllen können.

Und wenn ihr möchtet, erstellen wir auch eine Schublade für die Benutzung von Kopfhörern im Straßenverkehr. Dazu kann ich sogar etwas beisteuern: Wäre es nicht konsequent, auch Jogger-/innen und Fußgänger-/innen mit einem Kopfhörerverbot zu belegen? Weil, da gibt es Geschichten …

Wo wir gerade bei der Verkehrspolitik sind: Das Elektroauto wird uns nicht retten. Das behauptet Clemens Gleich. Ich glaube, er hat recht.

Alles wie immer machen, nur mit Elektromotor, das ist keine Lösung, sondern Herumfrisieren am Problem. Dieses Problem lautet ausgeschrieben: „Jeder Mensch ein Auto“ passt immer schlechter zu unseren Lebensumständen.

— Clemens Gleich, Klartext: Das Elektroauto wird uns nicht retten, www.heise.de, 26.7.2018

Wenn Ihr jetzt glaubt, dass das Fahrrad die Lösung ist – nö, nicht unbedingt.

Denn das beste städtische Transportmittel ist nicht das Auto, nicht die Tram, nicht das Fahrrad, sondern die Beine, weil sie normalerweise nicht geparkt werden müssen.

So das Fazit von Clemens Gleich, was er auch begründet.

Und er spricht noch einen wichtigen Aspekt an, mit dem er mir voll uns ganz aus der Seele spricht. Wir haben ja seit Wochen mit der Hitze und der Trockenheit zu kämpfen. Und wir kennen den Albtraum: Einkaufen fahren und keinen Parkplatz vor der Tür finden.

Deshalb asphaltieren Grundbesitzer ihre Stadtflächen zu. Die Temperaturen der Städte im Sommer steigen durch diese Solarheizungen, und die Wohnkosten ebenfalls, denn es lohnt sich häufig mehr, einen Parkplatz zu bewirtschaften, als Wohnraum zu vermarkten. An all diesen Problemen ändert das Elektroauto: gar nichts. Im Gegenteil möchte ich ja dann bei Wal-Mart nicht nur parken, sondern auch gleich den Akku laden und die Klimaanlage laufen lassen.

Versiegelte Flächen für Parkplätze verhindern nicht nur den natürlichen Kreislauf des Wassers, es sind auch Hitzespeicher. Wieder ein Argument mehr für mein ständiges Credo1: Mehr Grün in die Städte! Und nicht nur ebenerdig, auch hoch.

Update 5.8.2018: Einen dazu passenden Tweet habe ich gestern von Dietmar Oeliger entdeckt.


  1. Nein, ich werde nicht müde Euch damit zu „belästigen“. Auch wenn ich schon gefühlte 100 Beiträge dazu geschrieben habe – jüngst: Grau darf nicht das neue Grün werden! [return]