Vom kollektiven Suizidversuch

Ürre1 dieses Wetter da draußen. Der Mai 2018 war der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, habe ich neulich gehört. Sind das schon Ausläufer des Klimawandels? Nun, ich bin kein Experte. Aber ich rate mal: Was wir den lieben langen Tag so treiben und getrieben haben, konnte auf Dauer nicht ohne Folgen bleiben. Und daher bin ich davon überzeugt: der Klimawandel ist Realität. Und zum größten Teil hausgemacht.

Was der Mensch heute anstellt, ähnelt eher dem Asteroideneinschlag an der Kreide-Paläogen-Grenze. Dass so etwas jetzt geschieht, in diesem Tempo, auf einem überbevölkerten, übernutzten Planeten, gleicht einem kollektiven Suizidversuch.

Hans Joachim Schellnhuber, Quelle: www.sueddeutsche.de, 14.5.2018

Der Klimafroscher Hans Joachim Schellnhuber ist der Meinung, dass wir uns viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen haben und fordert mit Nachdruck, dass wir auf 100 Prozent erneuerbare Energien gehen müssen. Aber auch jeder Einzelne könne etwas tun, zum Beispiel kein Fleisch mehr essen und auf Langstreckenflüge verzichten. Apropos fliegen:

Eine Flugreise ist ökologisch so ziemlich das schlimmste Verbrechen, das eine einzelne Personen anrichten kann.

— Catherine Hoffmann, Quelle: www.sueddeutsche.de, 31.5.2018

Ja, wir können sehr viel tun, um unser Klima zu verbessern. Und sei es nur, dass wir uns beim Einkaufen in verschiedenen Läden nicht mit dem Auto von Parkplatz zu Parkplatz hangeln, nur um ein paar Meter weniger zu Fuß zu gehen.

Übrigens: Wisst Ihr was von den Forschern auch empfohlen wird, gerade innheralb von Städten? Das Pflanzen von mehr Bäumen. Tja. Was ich immer sage2. Aber lest selbst: „Forscher: Todesfälle durch zunehmende Hitzewellen lassen sich verhindern“ (Quelle: heise.de). Hättet Ihr gedacht, dass Bäume helfen können Todesfälle zu verhindern? Meistens lese ich eher so merkwürdige Dinge wie: Die Bäume an Straßenrändern müssen weg, damit die Autofahrer nicht davor fahren. Oder: Die Bäume müssen weg, weil das Herbstlaub unschön und lästig ist3.

Ihr kennt doch unsern Astro-Alex. Ein sehr symphatischer Leut wie ich finde. Der sagte neulich zu jungen, engagierten Menschen:

“Wir sind alle die gleiche Spezies und wir haben alle dieselben Träume”, sagte der Astronaut. “Unsere Zivilisation hängt von diesem Planeten ab.” Ohne friedliches Zusammenleben und Ressourcen-Schonung habe die Erde keine Zukunft.

Alexander Gerst, Quelle: www.heise.de, 28.5.2018

Nun, das ist keine neue Erkenntis. Aber ich habe trotzdem Pipi in den Augen bekommen als ich das gelesen habe. Schließlich hat Alexander Gerst unseren Planeten schon aus ganz anderen Perspektiven gesehen.

Doch so unsichtbar wir von da oben sind, wir sind trotzdem sehr erfolgreich dabei, diesen schönen, blauen Planeten zu zugrunde zu richten.

Wenn wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen […] brauchen wir über Einkommensverteilung, Rassismus und guten Geschmack nicht mehr nachzudenken.

Hans Joachim Schellnhuber, Quelle: www.sueddeutsche.de, 14.5.2018

Ich bin mir sicher dass wir diesem Planeten nicht helfen werden, wenn wir in jedes Büro ein Kreuz hängen, oder wenn mehr und höhere Grenzzäune errichten4. Aber ich bin mir sicher: Kleinvieh macht auch Mist. Im wahrsten Worte des Sinnes: Jeder Schritt zählt – jeder Schritt den wir gehen, statt mit dem Auto zu fahren5.

Update 9.6.2018: Zum Parkplatz-Hopping schrieb mir ein Einsender:

Ist auch günstiger und gesünder, Diabetes Typ 2, Herzerkrankungen…. Das Problem ist auch die steigende Anzahl der Menschen. Praktisch ist jeder Mensch ein Beitrag zur Umweltbelastung.

Zum Punkt: Wie weit tragen Flugzeuge zur Verschlechterung des Klimas bei?, meint er:

Am 11.September wurde Flugverbot erteilt in den USA, dies hat zur Erwärmung des Planeten beigetragen. Zwar kann man sagen das der CO2 schädlich ist, jedoch die künstlichen Wolken bewirken positives. Wärmere Luft speichert mehr Wassermoleküle, es gibt weniger heftigen Niederschlag bei kältere Luft. Auch die Eisschmelze geht etwas langsamer in der Arktis voran.

Der Meeresspiegel wird jedoch kaum bei uns steigen, die rotierende Masse nimmt jedes Jahr leicht ab, die Erde dreht etwas langsamer, und warme Luft speichert mehr Wasser. Das Problem ist eher, der Golfstrom hat einen immer weiteren Weg und verändert das Klima.

Woraufhin ich ihn zurückschrieb: Du meinst, die Flieger tragen zur Verbesserung, oder mindestens zur Stabilisierung des Klimas bei? Seine Antwort:

Zumindest sind die Flüge weniger schädlich… Hier mal ein alter Bericht: [Link]

Nun, ich bin kein Experte. Aber mein Urin sagt mir, dass der umweltbelastende Teil der Flieger überwiegt.

Es gibt auch noch eine andere Argument-Karte, die bei solchen Diskussionen gern gezogen wird: Arbeitsplätze. Wie so oft im Leben geht es dann um die Frage: Was hat Priorität? Die Frage sollten wir uns auch beim Flieger stellen.

Ich wiederhole mich: Solange der #SPD eine Handvoll Bergbau-Gewerkschafter wichtiger sind als ein ganzer Planet, wird das weder was mit #Klimaschutz noch mit #SPDerneuern.

Mario Sixtus, twitter.com/sixtus


  1. Das ist so ein regionales Phänomen. Eigentlich bin ich ja schlecht zu Fuß auf den Ohren. Aber das hier das „I“ bei vielen Wörtern eher wie ein verunfalltes „Ü“ klingt, ist nicht zu überhören. Ein Paradebeispiel ist das Wort: Irre. Was hier, wenn man die Ohren spitzt wirklich eher wie ein: „Ürre“ klingt. [return]
  2. Jüngstes Beispiel: Grau darf nicht das neue Grün werden!, oder ein älteres Beispiel: Besteint, Teil 2 [return]
  3. Dazu empfehle ich die Geschichte: Der Wald wird gefegt [return]
  4. Was mir bei den Diskussionen um Grenzzäune immer zu kurz kommt ist das Thema Klima. Immer mehr Menschen müssen vor den Folgen des Klimawandels fliehen. Und wer ist für das Klima verantwortlich? Wir, die Menschen in den Industriestaaten, die gern mal mit dem Flieger in den Urlaub reisen.
    [return]
  5. Fahrradfahren statt Autofahren zählt selbstverfreilicht auch: Denn Autofahren kostet, Radfahren bringt Geld. [return]