Vom Absaufen, von Arbeitsplätzen und Kompromissen

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Bestimmt habt Ihr in den vergangenen Wochen auch davon gelesen: Baut Deiche, sonst sauft ihr ab. Sogar der UN-Generalsekretär ruft “Alarmstufe Rot” aus: „der Klimawandel drohe außer Kontrolle zu geraten“.

Und was machen wir?

»Da ist die Politik gefragt, die muss das richten!«, höre ich oft. Und wenn sie es nicht tut? Ganz ohne Hemmungen überlegen Union und SPD, die Klimaziele für 2020 aufzugeben. Auch die FDP ist da ganz auf deren Linie, habe ich gestern Abend vernommen. Die Wirtschaft sei wichtiger.

Nur, was machen wir, wenn wir nicht mehr genügend Nahrungsmittel erzeugen können, weil alles absäuft oder verdorrt? Was machen wir, wenn wir die „normale“ Luft nicht mehr atmen sollten, weil sie verseucht ist?

Wir müssen doch die Arbeitsplätze sichern!, lautet ein viel beschworenes Argument aus der Politik. Im Kontext mit der Klimapolitik ist das Argument aus meiner Sicht der perfide Versuch einer Erpressung. Ich bin davon überzeugt, dass wenn wir unsere Lebenseinstellung, unser Verhalten ändern, das nicht mit einem Verlust an Arbeitsplätzen und auch nicht mit einem Verlust an Zufriedenheit einhergehen muss.

Und was machen wir?

Neben den menschlichen Abgründen und Opfern hat Böllern Folgen für Gesundheit und Umwelt. Man kann schlecht monatelang auf Autoherstellern rumhacken, die bei Abgaswerten betrügen, und dann 5.000 Tonnen Feinstaub abtun: http://zeit.to/2lLYuCt

twitter.com/zeitonline

Ja, ich komme auch noch mal auf die Böllerei und die Feuerwerke zurück. Das war eines der Top Five Themen zum Jahreswechsel. Viele fühlten sich schon genervt davon. Man solle sich doch nicht so echauffieren. In einer Woche würde das Thema eh in Vergessenheit geraten – und so weiter.

Ein schönes Feuerwerk ist schön. Ja. Aber was schön ist, muss nicht gut sein – oder gesund sein. Und dann denke ich darüber nach, ob ich darauf verzichten kann. Ja, das kann ich, ohne wenn und aber. Ich brauche kein Feuerwerk. Nie! Auch kein zentrales Feuerwerk – jede Stadt nur eines, oder nur einmal im Jahr. Ein Kompromiss ist nicht notwendig.

Beim Auto ist das etwas anderes. Auch hier habe ich mich gefragt: Kann ich darauf verzichten? Hier auf dem Land ist das nicht einfach. Also versuche ich das Autofahren einzuschränken, wo es nur geht. Ich mache also Kompromisse, wenngleich mit einem schlechten Gewissen.

Gleichwohl: jeder Böller der nicht kracht, jedes Feuerwerk was nicht entfacht wird, jede Autofahrt auf die ich verzichte, jeder Baum den ich nicht umhaue, jeder Busch den ich pflanze – zählt. Das sind alles Beiträge für den Naturschutz, für den Klimaschutz.

Oft bekomme ich das „Eh-da-Argument“ zu hören. Zum Beispiel beim Thema Urlaub: Der Flieger fliegt auch ohne mich in den Süden. Der Dampfer dampft und qualmt auch ohne mich über die Meere. Sicher, so lässt sich die kognitive Dissonanz auch auflösen. Aber wir sollten dann zugeben, das hat schon was von: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. »Eine Haltung ist eine Haltung ist eine Haltung. Wofür stehst du wirklich?« Eine Frage, die auch ich mir oft stelle.

Wenn „die da oben“ nur Sonntagsreden halten, wenn „die da oben“ sich selbst nicht daran halten was sie in die Mikrofone brabbeln, ist das für mich weder Argument noch Aufforderung es ihnen gleich zu tun.