Statt Outlook auch mal Rückblick

»Was ist das eigentlich, Digitalisierung?« Diese Frage sei ihm schon oft gestellt worden, erzählte mir unlängst ein IT-Experte. Interessant fand ich, dass er die Digitalisierung auch nicht1 als eine Art Mode betrachtet, die gerade mal wieder en vogue ist.

Sehr schnell fiel in unserem Gespräch das „böse“ Wort Medienkompetenz. Ein Beispiel für Medienkompetenz ist für mich der Umgang mit E-Mail-Programmen. Mein Gesprächspartner widersprach mir nicht, als ich das begründete. Gleichwohl, ich wollte die Begründung schon längst mal zur Diskussion gestellt haben. Nun also …

Immer mal wieder höre ich Leute, die sich über Outlook beschweren: »Outlook ist so kompliziert, so unübersichtlich!« »Warum kann ich die Datei nicht versenden?« »Outlook sagt mir, dass mein Postfach voll ist. Wieso?« Und so weiter.

Mit Outlook lässt sich eine Menge machen. Und viele Leute reizen diese Möglichkeiten auch aus. Warum auch nicht? Aber: Irgendwann werden die ganzen Verschachtelungen und dergleichen möglicherweise unübersichtlich. Kann man das Outlook vorwerfen?

Und wenn eine E-Mail sich nicht verschicken lässt, liegt das oft daran, dass es sich dabei um ein in Paketpapier gewickelten Fünfachser handelt. Diese Sendung gilt nicht mehr als normaler Brief. Das ist ein Paket.

Tatsächlich verwende ich häufig diese Vergleiche:

»Wenn du heute Abend nach Hause kommst, guckst du bestimmt in deinem Briefkasten. Was machts du mit den Briefen die darin liegen?«

»Wenn du beim Versandhandel eine Waschmaschine bestellt hast, wirst du gewiss nicht erwarten, dass der Zusteller die Waschmaschine in deinen Briefkasten quetscht.«

»Und wenn Outlook dir sagt dass dein Postfach voll ist, denk doch mal an den Eingangsbereich eines großen Mietshauses in dem die ganzen Briefkästen zu sehen sind. Bestimmt gibt es da einige, aus denen die Post herausquillt wie Hefeteig aus der Backform. So sieht jetzt dein Outlook aus.«

Auch wenn Outlook eine eierlegende Wollmilchsau2 ist, auch wenn ich E-Mails mit Outlook schreibe – Outlook ist nicht mein „Schreibtisch“ von dem aus ich die Post bearbeite. Die Post die in meinem Briefkasten liegt nehme ich heraus. Mein Biefkasten hat keine Regale und keine Aktenordner in dem ich Briefe einsortiere.

»Aber ich bekomme doch täglich so viele E-Mails, die kann ich doch nicht alle erst auf den ‚Schreibtisch‘ zerren und dann bearbeiten. Ich kann doch direkt von Outlook aus reagieren und zum Beispiel auf eine E-Mail antworten.« Das stimmt.

Aber an der Stelle kommt ein weiterer Aspket der Medienkompetenz ins Spiel: Wann schreibe ich eine E-Mail, wann kann ich sie mir sparen? Wann eignet sich eher ein Telefonat? Oder sollte ich diese Info doch besser auf der Website veröffentlichen, weil es eh alle wissen müssen?3

Und dann ist da noch die Sache mit der Disziplin. Muss ich der Welt jeden Pups bekanntgeben? Muss ich auf jeden Pups reagieren? Dazu muss ich wiederum unterscheiden können: Was ist ein Pups und was nicht? Doch wenn ich jeden Pups bekanntgeben, und wenn ich auf jeden Pups reagieren möchte, muss ich mich nicht wundern wenn mein Postfach überkocht – da die Pups-Fans mir bestimmt antworten.

Entschuldigt bitte, dass ich nun doch so massiv geworden bin.

Wir leben schon lange im Zeitalter der Digitalisierung. Sie ist nicht neu. Aber es ist gut, wenn wir uns mal wieder genauer damit beschäftigen. Zum Beispiel damit, wann und wie wir die jeweiligen Werkzeuge benutzen. Und das gehört zur Medienkompetenz.

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein Freund von den jüngsten Entwicklungen in Sachen Webdesign. »Back to the roots«, kommentierte er diese abschließend. Vielleicht sollten wir das bei den E-Mail-Clients auch mal so andenken.


  1. Ich hatte ja schon verzählt, dass die Digitalisierung für mich bereits vor rund 30 Jahren begonnen hat. [return]
  2. Und das ich eine Aversion gegen eierlegende Wollmilchsäue habe, hat sich vermutlich schon rumgesprochen. [return]
  3. Ich habe oben nur die eigene Website erwähnt. Je nachdem kann latürnich auch das Intranet probater sein. Wie dem auch sei: Wenn ich eine umfangreiche Info einem großen Kreis von Leuten bekannt geben möchte, ist das Intranet / Internet oft die bessere Wahl. Ich habe bewust „umfangreiche Info“ und nicht „große Datei“ geschrieben. Oft werden umfangreiche Infos gern zusätzlich gekapselt. Weil – keine Ahnung. Aber PDFs sind dafür sehr beliebt. Auch diese Frage gehört für mich zur Medienkompetenz: Muss ich Infos so dicht verpacken? Ich komme darauf zurück … [return]