Schwarzer Mann auf schwarzem Grund

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Liebesschlösser am Spelunkenturm in Bad Pyrmont, im Hintergrund ein Sonnenuntergang

»Guten Morgen mein leuchtender Kollege! Frohes neues Jahr!«, begrüßte mich meine Kollegin an einem finsteren Morgen vor zweieinhalb Wochen. »Dito! Leuchtender Kollege ist lustig«, befand ich, woraufhin sie meinte: »Tja, man ist nie zu alt zum Lernen.« »Wenn das die übrigen Verkehrsteilnehmer auch mal so sehen würden«, brummelte ich zurück, derweil ich mich aus dem Leucht-Geschirr befreite.

Für diejenigen die später zugeschaltet haben, dies ist die dritte Folge aus der Reihe: „Wenn es dunkel ist, leuchte! – Erhellende Beobachtungen eines begnadeten Fahrradfahrers.“1

Helle Kleidung nützt … gar nichts!, schrub Andreas vor ein paar Wochen. Obwohl leuchtend wie ein Weihnachtsbaum im rabenschwarzen Tannenwald ausgerüstet, würde er als Fahrradfahrer von den Autofahrern übersehen werden, ärgert sich Andreas. Ich kann seinen Frust nachvollziehen. Denn auch mir ist trotz der Auszeichnung von meiner Kollegin von Autofahrern die Vorfahrt genommen worden. Dabei war das ja Sinn und Zweck der Aufrüstung. Soll heißen: Mit den zusätzlichen Reflektoren an Fahrrad und Fahrer wollte ich so etwas vermeiden, weil ich damit noch besser beziehungsweise früher wahrgenommen werden kann.

Allerdings: Ich kann nicht verifizieren, ob ich durch das Leucht-Geschirr weniger, gleich oft, oder häufiger von Autofahrern übersehen wurde. Postfaktisch hat sich nichts geändert. Als Fahrradfahrer hast du im Straßenverkehr die A-Karte. Passend dazu: Deutschlands Dilemma auf zwei Rädern, oder auch:

Falschparker machen ihr eigenes Problem zum Problem anderer – auf denkbar egoistischste Weise.

— itstartedwithafight.de: Falschparker sind asozial

Gemeint sind hier Autofahrer, die mit ihrem Gefährt Fuß- und Radwege zuparken. Ihr kennt das: Das ist doch nicht schlimm, wenn man mal eben … Dieses „Mal-Eben-Argument“ hatte ich hier schon häufiger. In dem Artikel Mal eben – parken fragte ich was wohl passieren würde, wenn ich mein Fahrrad einfach mal eben mitten auf der Fahrbahn vor der Bäckerei abstellen würde: »Komm, stell dich nicht so an, ich habe doch nur mal eben vier Brötchen geholt.«

Autoparkplätze direkt vor dem Bäcker, dem Kiosk, der Post, der Apotheke meines Vertrauens sind in den Innenstädte rar, und daher immer wieder Anlass zu Diskussionen. Wenn man „mal eben“ im Park- oder Halte-Verbot sein Auto abstellt, sei das doch nicht schlimm. Schließlich seien die größeren Parkflächen fast 500 Meter davon entfernt. Da sollte sich die Ordnungsbehörde doch nicht so anstellen und mal die Augen zudrücken, las ich vor einiger Zeit in einem Zeitungsartikel über die Meinung einiger Politiker. – Mal eben …

Jetzt bin ich auch „vom Weg“ abgekommen. Es ging ja um den schwarzen Mann auf schwarzem Grund. Ich finde es schon kuhl, wenn die Verkehrsteilnehmer auch wenn es düster ist, gut sichtbar sind. In den vergangenen Wochen sind mir zwei Fahrradfahrer aufgefallen, die komplett unbelichtet durch die Finsternis strampelten. Den einen entdeckte ich erst, als ihn das Licht einer Straßenlatuchte erfasste, den anderen erfasste ich, als ich nah genug war um die Glut seiner ZiehGarette sehen zu können. Wiederholt habe ich Hundehalter*innen gesehen, die mit ihrem Tierchens nächtens Gassi gingen. Bei den einen habe ich mich erschrocken, weil ich sie erst sehr spät gesehen habe – die anderen habe ich wesentlich früher registriert. Ihr dürft jetzt raten warum.

Vor ein paar Tagen befuhr ich mit meinem Auto eine viel befahrene Straße. Da es aber schon sehr spät war, war das Verkehrsaufkommen sehr gering. In einem pechfinsteren Streckenbereich konnte ich etwas wahrnehmen, was ich nicht zuordnen konnte. Kurz bevor ich ihn passierte konnte ich mir ein Bild machen – vom schwarzen Mann auf schwarzem Grund. Es war ein Nordic-Walker in dunklen Klamotten, dessen Stöcke im oberen Drittel offensichtlich aus verchromten Metall waren. Diese Metallstücke hatte das Licht meiner Autofunzeln reflektiert. Der Mann bewanderte einen entlang der Straße führenden „Standstreifen“. Mutig, mutig, dachte ich mir. Nun könnte man argumentieren, so spät fahren da nicht viele Autos. Aber viele Autofahrer ermuntert das dann, schneller als die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern zu fahren.

Ich bin froh, dass mich meine Kolleginnen genervt haben. Klar, ich war auch schon vorher ein ganz ein Heller – sprich: den Vorschriften entsprechend auch bei allgemeiner Dunkelheit leuchtend. Bislang aber leuchtete nur mein Gefährt, nun bin auch ich eine Leuchte – wenn du mich anstrahlst. Ich glaube schon, dass mein LeuchtGeschirr, die Reflektoren, den anderen Verkehrsteilnehmer*innen und mir ein Stück weit mehr Sicherheit geben.

PS: Wem der Titel irgendwie bekannt vorkommt – vielleicht desseswegen: Schwarzes Pferd auf schwarzem Grund.