Microsoft und das Lächeln

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Ein kleiner Teil einer ComputerTastatur

Die etwas betagteren Leute in meinem beruflichen Umfeld die auch mit dem Thema „IT1 zu tun haben, werden sich bestimmt lächelnd daran erinnern: Ja, ja, der Volker hat schon früher oft von Linux herumgesponnen. Früher, wann war das? Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber vermutlich begann die Geschichte schon vor über 20 Jahren.

Freunde hatten mir von Linux erzählt. Sie hatten Linux im Einsatz und waren begeistert. Davon infiziert, habe ich mir auch einen Linux-Rechner aufgesetzt. Und was soll ich sagen? Damit habe ich jahrelang freudestrahlend gearbeitet. Auch Open Source Produkte wie OpenOffice oder später LibreOffice haben mich fasziniert.

Da war es nur logisch dass ich mich und andere fragte: Warum eigentlich immer nur Microsoft? Microsoft Windows hier, Microsoft Office dort – in meinem beruflichen Umfeld gab und gibt es keine Alternativen.

Auch auf den Ständen der KOMCOM2, einer Art CEBIT nur für Kommunen, habe ich die Anbieter mit meinen Fragen malträtiert. Anbieter ohne Microsoft als Basis, gab es auf den Messen so gut wie nicht. Ich kann mich nur an einen einzigen Stand erinnern. Immer wenn ich die „Microsoft-Frage“ zum Thema machte, wurde ich nur belächelt. Selbst als ich einwandt, dass Microsoft dadurch eine Monopolstellung eingeräumt würde, ließ man mich mit einem Lächeln im Gesicht stehen: Schwätze er nicht so ein dummes Zeug.

Vor ein paar Wochen las ich: „Vergabekammer Rheinland hält Modell der Flüchtlingsbetreuung der Stadt Düsseldorf für ausschreibungspflichtig“3 Und ich fragte mich: Liebe Vergabekammer, habt ihr auch Microsoft im Einsatz? Und, habt ihr das ausgeschrieben?

Kürzlich erfuhr ich auf einer Info-Veranstaltung über Windows 10: Auch Windows 10 telefoniert regelmäßig nach Hause4. Und wenn man nicht bestimmte Einstellungen ändert, werden dabei sensible Daten übermittelt5. Da konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Hat man mir in all den Jahren nicht dauernd suggerieren wollen: Microsoft ist absolut integer?

Und „jetzt“ stellt sich auch noch heraus:

Die Monopolstellung Microsofts ist stark: „Jeder ist betroffen“, urteilen die Journalisten, „die Abhängigkeit reicht tiefer als die Verwendung von Word oder Excel“. Tausende Spezialprogramme der Finanzämter und anderer Behörden seien alle von Windows abhängig. Auch Martin Schallbruch, der bis 2016 IT-Direktor der Bundesregierung war, sieht Probleme, die sich in Zukunft noch verstärken werden: „Kontrollfähigkeit und Steuerungsfähigkeit des Staates im Hinblick auf seine eigene IT nimmt immer weiter ab.“

Eine Alternative ist mit Linux eigentlich vorhanden. Warum steigen die europäischen Staaten also nicht im großen Stil um, um sich von der Abhängigkeit zu befreien?

— netzpolitik.org: Wie Microsoft Europa kolonialisiert, 20.2.2018

Hintergrund des Artikels ist die ARD-Reportage Das Microsoft-Dilemma. In dem Artikel dazu ist zu lesen:

Hans-Peter Batt, IT Direktor der Bundesregierung, sieht vorläufig keine Alternative zu Microsoft.

— www.daserste.de: Das Microsoft-Dilemma, 19.2.2018

Und wenn wir nun daran denken, dass auswärtige Hacker in das Netzwerk des Bundes eingedrungen sein sollen, kann man sich auch die Frage stellen: Könnte sich die Lücke im Netz dadurch ergeben haben, dass solche Einrichtungen geradezu mit blindem Vertrauen auf Microsoft setzen? Es gibt viele Experten die darin ein großes Problem sehen – so wie Fefe:

Die Lösung für mehr Windows-Malware ist mehr Windows. Genau wie bei School Shootings in den USA. Die Lösung für mehr Gun Violence sind mehr Guns.

blog.fefe.de, 28.2.2018

Wer auch immer die Hacker sind, sie werden ein Lächeln im Gesicht gehabt haben. – Nein. Ich verspüre keine Schadenfreude. Vielmehr bin ich entsetzt und ich ärgere mich darüber.

Ich bin kein IT-Experte. Aber bedingungslos auf eine Software zu setzen die keinen Einblick in ihr Innenleben zulässt, halte ich für sehr fragwürdig.

Update: Diesen Kommentar von Alvar Freue habe ich heute Morgen übersehen:

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland ist, bis auf wenige Ausnahmen, fest in der Hand von Microsoft. Dieses “Microsoft-Dilemma” bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich und viele Behörden ignorieren Sicherheitsbedenken.

— Alvar Freude unter www.heise.de: Schluss mit Schlangenöl und Monokultur!, 2.3.2018


  1. Das ist auch ein interessantes Thema: Die Bezeichnung für „neue“ Techniken. Mehr dazu vielleicht ein andermal [return]
  2. Nach meinen Recherchen gibt es diese KOMCOM-Messen nicht mehr. [return]
  3. Hier ein Artikel dazu. [return]
  4. Weil nicht alle mit der Redewendung etwas anfangen können: „… telefoniert nach Hause“ steht für: Die Software übermittelt Daten vom eigenen Rechner an den Hersteller. Mitunter kann das erforderlich sein, zum Beispiel um die Version abzufragen und dann gegebenenfalls ein Update anzubieten. Wenn aber datenschutzrelevante Daten übermittelt werden, dann ist das meistens nicht gewünscht. [return]
  5. Die Krux dabei sei wohl, dass nicht jede Windows 10 Version die „Schalter“ anbietet mit denen man das „nach Hause telefonieren“ unterbinden kann. Und selbst wenn, ausgeschlossen werden könne nichts … [return]