Maria, Josef, Tourist!

Türmchen aus Steinen

Noch mal kurz zu den Themen: Tourismus und Umweltschutz.

Klar, ich habe auch mehrere Urlaubsreisen gemacht; die letzte vor über 20 Jahren. Und ja, ich bin auch schon im Flieger gesessen. Einmal. Damals war ich acht Jahre und mein Dad hat mich mitgenommen, als er wie so oft für eine Geschäftsreise von Hannover nach Westberlin geflogen ist.

Jahre später, wir schrieben das Jahr 1981, fuhren wir, ein Bulli voller Freundinnen und Freunde, nach Griechenland. Jedes touristische Highlight welches auf der Strecke lag, haben wir „mitgenommen“; selbstverständlich auch das Löwentor von Mykene. Wie an vielen solcher Orte werden die Besuchergruppen von Reiseführer-/innen durch die Anlage begleitet. Man hört ihre lauten Stimmen und sieht wie sie mit den Armen auf verschiedene Objekte zeigen, denen die Besucher-/innen ihre Aufmerksamkeit widmen sollen.

Unvermittelt baute sich einer unserer Kumpels vor uns auf und rief mit starkem Akzent, wobei er nacheinander auf drei von uns zeigte: »Maria, Josef, Tourist!« Wir wussten alle sofort was er meinte. Wir waren Teil dieser unglaublichen Massen an Touristen. Damals haben wir darüber gelacht.

Tja, Maria, Josef und das Kind. Und das Kind ist Tourist.

Ihr kennt ja den Satz: „Ich will, dass es mein Kind mal besser hat als ich!“ Wenn ich an meine Eltern denke, kann ich zumindest bestätigen dass ich mehr von der Welt gesehen habe als sie. Außerdem haben sie als Kinder noch den Krieg erlebt. Allein aus dem Grund habe ich es schon viel besser als sie1.

Aber die Frage die ich mir bei solchen Vergleichen oft stelle ist: War ich denn auch häufiger zufrieden? Denn ich glaube darin liegt das Glück: Zufriedenheit. Und dafür brauche ich keine Fernreisen. Doch viele Menschen in meinem Umfeld meinen, dass das für ihre Zufriedenheit notwendig sei.

Noch mal zu dem Wunsch: „Mein Kind soll es mal besser haben als ich.“ Wenn jede Generation das einfordert – was ist das für eine Spirale? Unterstellt ich sammelte, wie es einige Menschen um mich herum tun, Urlaubsziele dieser Welt wie Briefmarken. Wie sollte es meinem Kind, wenn ich eines hätte, dann noch besser gehen? Sollte es noch tiefer in Regenwälder vordringen, in denen dann noch luxeriösere Hotels stehen?

Die meisten Menschen reagieren, wenn ich mich mit ihnen darüber unterhalte, mit kognitiver Dissonanz: Urlaubsreisen sind toll; aber sie wissen auch, wie belastend sie für die Umwelt und das Klima sind. Dreimal dürft Ihr raten, wie die Dissonanzreduktion ausfällt.


  1. Okay, mal abgesehen von den Geschäftsreisen meines Vaters. [return]