Heizen mit Stroh

Vorweg: Es geht hier nicht um das klassische Heizen. Der Titel ist im übertragenen Sinn zu verstehen. Die Frage die ich mir, besonders jetzt zu Weihnachten stelle ist: kaufen und schenken wir Strohfeuer?
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Ein Strauß Blumen Schenke Blumen während des Lebens …

„Wurden Sie in jüngster Zeit auch mit E-Mails bombardiert? Zum Black-Friday am vergangenen Freitag, oder zum Cyber-Monday heute? Angebote über Angebote von Dingen, die ich schon immer nicht kaufen wollte. Ich habe die E-Mails ungelesen gelöscht. Warum soll ich etwas kaufen, wenn ich es nicht brauche? – Nur weil es just heute billig ist?“, schrub ich neulich. Ich musste laut lachen, als ich gestern dann diesen Artikel gelesen habe:

Es klingt unglaublich: Eine Frau hat heute in Koblenz in einer IKEA-Filiale nur genau den Artikel erworben, dessen Kauf sie sich zuvor vorgenommen hatte. […] “So etwas habe ich noch nie gesehen”, stammelte ein schockierter Kunde, der eigentlich nur kam, um eine Schreibtischlampe zu erwerben, und nun Waren im Wert von 14.389,57 Euro in seinem Einkaufswagen hat.

Kundin kauft bei IKEA nur das, was sie ursprünglich kaufen wollte, www.der-postillon.com, 29.11.2018

Genau ein solches Szenario hatte ich vor Augen, als ich besagten Text geschrieben habe. Tatsächlich bin ich eher der Typ, der nur kauft was er braucht. Werbung entsorge ich ungesehen, Werbe-Lockgeschenke ignoriere ich stoisch. Wobei mir natürlich klar ist, auch ich werde beeinflusst. Und ich lebe nicht im Wald. Dennoch frage ich mich oft: Was brauche ich wirklich?

Was braucht der Mensch um zufrieden zu sein? Vor etlichen Jahren habe ich mal eine Hausarbeit zum Thema Motivation geschrieben1. Wie das so ist, habe ich dazu viele Bücher gelesen. Und dabei wurde mir überdeutlich, dass eine Vielzahl von Dingen von denen wir glauben dass sie uns zufrieden machen, eigentlich nur Strohfeuer sind – sie „wärmen“ uns nur kurz.

Okay, diese Erkenntnis ist nicht bahnbrechend. Aber ist es nicht so, dass wir mittlerweile nur noch mit Stroh heizen? Ist es nicht so, dass wir glauben unsere Zufriedenheit nur erlangen können wenn wir uns ständig mit „Nettigkeiten“, ob Technik oder Deko nur so zuschütten?

Und wenn wir uns diese ganzen Gadgets so kaufen, wie oft denken wir dann darüber nach unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden, oder wie die Rohstoffe dafür geerntet oder abgebaut wurden?

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es weltweit 152 Millionen Kinderarbeiter*innen zwischen fünf und 17 Jahren. Das heißt, sie müssen unter Bedingungen arbeiten, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben. Mehr als die Hälfte von ihnen, 73 Millionen, müssen unter Bedingungen arbeiten, die gefährlich oder ausbeuterisch sind. Hierzu zählen Sklaverei, der Einsatz von Kindersoldaten und Arbeit, die die Gesundheit und Sicherheit gefährdet, also zum Beispiel Arbeit in Steinbrüchen, das Tragen schwerer Lasten oder sehr lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.

Faire Handelsstrukturen zur Bekämpfung von Kinderarbeit, www.fairtrade-deutschland.de

Von Kindern für Kinder?

Neben den Fragen woher die Dinge die wir da kaufen sind und wie lange uns diese Nettigkeiten glücklich machen, stellt sich die Frage: Wie nachhaltig sind diese? Wie schnell landen sie in der Mülltonne?

Ins Kaufhaus gehen, die vielen schönen teuren Sachen anschauen, und denken: Das wird alles mal Müll sein.

twitter.com/mainwasser

Aus den Augen aus dem Sinn – wo immer unser Müll danach auch landet.

Heizen mit Stroh – Der Titel ist im übertragenen Sinn zu verstehen, schrub ich eingangs. Selbst dieser Vergleich hinkt. Denn Stroh ist das Produkt eines regionalen, nachwachsenden Rohstoffes …


  1. Das Thema bezog sich auf die Arbeitswelt: Was motiviert Mitarbeiter-/innen, was demotiviert sie – und so weiter. [return]