Digitalisierung wollen sie, diskutieren nicht

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»Digitalisierung! DSGVO! Ich will jetzt nichts mehr was mit ›D‹ hören!«, maulte kürzlich jemand. Wie wäre es mit Dreitbandausbau?, entgegnete ich schweigend. By the way: Mein Tweet der Woche ist übrigens dieser hier:

[…] Der Digitalpakt reicht nicht, da geht es um Geräte. Digitalisierung heißt vor allem neue Schulkultur, neue Lernmodelle, neue Ziele.

Marina Weisband, twitter.com/Afelia

Kurz zur Verklärung: Die Digitalisierung betrifft nahezu jeden Lebensbereich. Bei dem Tweet oben geht es um den Bereich: Digitalisierung von Schulen. Aber: Digitale Bildung ist mehr als die Anschaffung eines Whiteboards – oder iPads. Ich kann den Tweet von Marina Weisband nur doppelt unterstreichen und mit Textmarkern gelb, orange und grün anmalen.

Mein Vorschlag wäre: Bei null anfangen, und vor allem: langsam anfangen. Erstmal über Digitalisierung an Schulen reden und vor allem diskutieren. [Weil:] es [ist] unmöglich, von einem Tag auf den anderen eine Schule zu digitalisieren.

— Noomi Blumenberg, Digitalisierung an meiner Schule – Ein Erfahrungsbericht

Noomi Blumenberg ist Schülerin und war, als sie den Artikel Anfang Januar geschrieben hat, 14 Jahre alt. Und? Passiert das? Diskutieren jetzt Entscheidungsträger-/innen mit Schüler-/innen und Lehrer-/innen? Wer geht auf die Schüler-/innen und Lehrer-/innen zu?

Warum denken die Leute immer erst an iPads1, wenn Sie auf das Thema Digitalisierung von Schulen angesprochen werden? Ich rate mal: Weil sie immer erst an Hardware statt an Software denken. Hardware ist für mich etwas haptisches, wie das Schulgebäude, wie die Klassenmöbel – wie die Tablets. Das ist das, womit wir „handtieren“.

Software arbeitet im Hintergrund. Was die meisten davon sehen ist „nur“ die grafische Benutzeroberfläche. Sie arbeiten nicht mit der Software, sie nutzen sie (mehr oder weniger). Was im Hintergrund passiert, also wie die Software so funktioniert, wie da was miteinander korrespondiert, das wissen viele nicht.2 Ich rede jetzt nicht von programmieren können, ich rede jetzt von Zusammenhänge erkennen können.

Beispiel: Brauche ich, um eine bestimmte Arbeit zu erledigen, zusätzliche Hardware oder brauche ich bessere Software?3 Das ist so eine Frage. Sie klingt vielleicht blöd, sie sollte manchmal aber gestellt werden.4

Bund kann und will nicht mit Bildungskonzepten helfen, schüttet aber jetzt X€ aus dem Finanzministerium für “Digitalisierung” aus. #5G statt #4K

— Marina Weisband, twitter.com/Afelia

Plöt. Digitalisierung wollen sie, diskutieren nicht. – „Digitalisierung heißt vor allem neue Schulkultur, neue Lernmodelle, neue Ziele.“

PS: Marina Weisband ist übrigens Leiterin des Projektes „Aula“. Aula ist ein Beteiligungskonzept, das Schülerinnen und Schülern aktive Mitbestimmung im Schulalltag ermöglicht.

PPS: In dem untersten Zitat habe ich für uns, die wir weniger im Thema sind, Verklärungs-Links eingebaut, die so nicht im Original-Tweet zu finden sind.

Update 11.6.2018: Warum lange debattieren? Einfach machen! Schüler digitalisieren ihre Schule selbst.


  1. Zumal iPads meines Erachtens nicht die „Bringer“ sind. Siehe dazu meine Frage: Tablet oder Notebook? [return]
  2. Ich besserwissere hier oft rum. Disclosure: Aber ich habe auch keine Ahnung. Ich suche nur „laut“ nach besseren Lösungen. [return]
  3. Oder reicht vielleicht sogar das was ich habe, wenn ich die Möglichkeiten die mir Soft- und Hardware geben zu nutzen verstehe? [return]
  4. Beispiel: Warum ich gegen den Kauf von Tablets für die Ratsarbeit bin. Denn manchmal wäre es sinniger, eine bessere, plattformneutrale Software zu fordern, als zusätzliche Hardware. [return]