Die unsichtbare Hand des Marktes wird es regeln

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Ein dramatischer Sonnenaufgang

Es gibt viele Menschen die daran glauben, an die unsichtbare Hand1 des Marktes. Der Markt wird sich schon selbst regulieren. Oft höre und lese ich in dem Zusammenhang auch: So wenig Staat wie möglich. Denn, wenn der Staat sich einmischt, dann wird das nichts mit dem Markt. Dann kann er sich nicht entfalten. Dann kann die unsichtbare Hand nichts regulieren.

Ich bin kein Experte. Darum frage ich mich wenn ich so etwas höre und lese: Wer genau ist an der Stelle damit gemeint, wenn von dem Markt die Rede ist. Und wer ist in dem Zusammenhang der Staat?

Für mich klingt das oft so, als sei der Markt etwas anderes als der Staat. Oder: Der Staat hat zwar auch was mit dem Markt zu tun, aber er ist lästig. Er steht einfach im Weg.

Ach, Staat du armer Tropf, wer bist du eigentlich? Nebenbei: Ein Tropf ist ein bedauernswerter Mensch – aber auch eine Infusionsvorrichtung2.

Der Abgas- oder auch Dieselskandal3 stand einige Wochen nicht mehr auf der Tagesordnung. Aber vergangene Woche hat er sich immerhin bis zum Punkt „Verschiedenes“ hervorgearbeitet. Denn es gibt eine Lösung:

[…] die Grundrichtung scheint festzustehen: Steuergeld für die Lösung eines Problems, das vor allem die Autoindustrie zu verantworten hat.

— www.tagesschau.de: Diesel-Nachrüstung steuerlich fördern?

Entschuldigt bitte, wenn ich so naiv frage: Ist das eine typische Regulierung durch die unsichtbare Hand des Marktes?

Das Thema Breitbandausbau hat seit langer Zeit einen festen Platz auf der Tagesordnung. Alle reden darüber, aber es geht nicht voran. Denn: Der Bund wird die Fördermittel nicht los, nur drei Prozent der Fördermittel kommen an. Warum? Komplizierte Verfahren und so. Tja, da hat der Ex-Bundesminister Alexander Dobrindt offensichtlich keinen guten Job gemacht.

Aber wie war das noch 1995 mit der Privatisierung von der Telefonie und so? Ich habe das nicht mehr auf dem Schirm. Sollte das mit der Privatisierung nicht alles besser werden? Sollte nicht auch hier die unsichtbare Hand des Marktes für eine gerechte Verteilung sorgen?

Wo ich gerade beim Thema Glasfaser bin, bis vor ein paar Wochen war mir auch nicht bekannt, dass schon 1981 Pläne für den bundesweiten Glasfaserausbau beschlossen wurden. Aber dann ist da irgendwas zwischen gekommen …

Nicht auf der Tagesordnung steht zurzeit das Thema Atomkraftwerke. Hier scheint alles geregelt zu sein – auch der Transport und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Sämtliche Kosten dafür tragen die Verursacher. Oder?

Immer wenn ich Menschen höre die in höchsten Tönen von den Wirkungen des Marktes schwärmen, wenn man denn seine unsichtbare Hand nur wirken lassen würde, muss ich an Tagesordnungspunkte wie die genannten denken.

Wie gesagt, ich bin kein Experte. Doch wenn ich eines gelernt habe: Dieser Markt der da von einigen immer angepriesen wird, interessiert sich für den Menschen nur wenn er zur „Energiegewinnung der Matrix“4 taugt, oder mal etwas taugen wird. Geschwächte, kranke und pflegebedürftige Menschen werden in solchen Programmen maximal mit Alibi-Maßnahmen bedient.


  1. Update: „Die unsichtbare Hand […] ist ein metaphorischer Ausdruck, mit dem der schottische Ökonomen und Moralphilosoph Adam Smith die unbewusste Förderung des Gemeinwohls beschrieb.“ (de.wikipedia.org: Unsichtbare Hand) [return]
  2. Ist im Wiki-Wörterbuch nachzulesen. [return]
  3. Mein Senf zu den Themen Dieselskandal und Autokartell, und: Die Marktwirtschaft kennt keine Demut. [return]
  4. Ich habe dabei mal wieder an den Film die Matrix gedacht. [return]