Die Sache mit den Parkplätzen (Update: 6.1.2019)

Könnte es sein, dass die meisten von uns Verkehrspolitik durch die Autofahrer-Brille beurteilen? Könnte es sein, dass im Straßenverkehr sich alles dem Auto und seinen Fahrer-/innen unterzuordnen hat? Mit einem kleinen Beispiel versuche ich den Fragen nachzugehen.
  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 4 Minuten

Vor ein paar Tagen fand in der unmittelbaren Nachbarschaft offensichtlich eine größere Feier statt. In unserer Straße, in der sonst nur sehr wenige parkende Autos am Straßenrand zu sehen sind, sah es auf einer Länge von 100 Metern1 so aus wie in Großstadt – statt Bordstein viel Blech mit Rädern.

Ein Autofahrer hatte sein Fahrzeug so abgestellt, dass fast die Hälfte der Karosse im Bereich meiner Garageneinfahrt stand. Das passiert im Jahr vielleicht vier, fünf Mal. Meistens ist das kein Problem, da ich mein Auto recht selten benutze.2 Dreist finde ich das jedoch schon.3

Und so konnte ich nicht umhin, über die Situation nachzudenken. Ich habe zwar nicht eigens nachgesehen, aber mit dem Fahrrad schien kein Gast gekommen zu sein. Kommen die wirklich alle aus Chicago, oder gar aus dem noch viel weiter entfernten Bad Pyrmont?, fragte ich mich.

60 Meter4 weiter sah die Straße so aus wie üblich, nahezu blechfrei. Dort wären noch genügend Parkplätze frei gewesen. Übersteigt ein Fußweg von 100 Metern die Zumutbarkeitsgrenze für Vierradfahrer? Und wenn ja, ist es dann erlaubt, Garageneinfahrten zu blockieren?

Ich bin mir ziemlich sicher: Wären alle Besucher-/innen, auch die Kinder mit dem Rad gekommen, hätten sämtliche Fahrräder auf dem Garagenweg der Gastgeber Platz gefunden. Und der Weg ist weder besonders lang, noch besonders breit.

Update 21.12.2018: Das heißt, in dem Fall hätte keine öffentliche Verkehrsfläche zum Parken in Anspruch genommen werden müssen. Oder noch deutlicher: Der Straßenverkehr wäre nicht durch parkende Fahrzeuge eingeschränkt worden.5

Mal angenommen, der Garagenweg der Gastgeber hätte nicht blockiert werden dürfen. Kann ja sein, dass der Gastgeber zwischendurch mal los muss, um den Getränkevorrat aufzufüllen. Wo wären die Fahrräder dann wohl abgestellt worden? – Hand aufs Herz!

Was sagt Ihr? Auf dem Fußweg vor dem Hausgrundstück der Gastgeber? Das vermute ich auch. Aber warum eigentlich? Weil ein Fahrrad nicht wie ein Auto am Straßenrand abgestellt werden darf? Und was ist mit Kinderwagen-, Rollator- und Rollstuhl-Fahrer-/innen? Und was ist mit den Fußgänger-/innen? Sollen die dann auf die Straße? – Richtig, das hatte ich neulich schon mal.

Nun stelle ich mir vor was passiert wäre, wenn die Fahrräder wirklich am Straßenrand abgestellt worden wären? Was würdet Ihr sagen, wenn Ihr als Autofahrer-/in sowas seht?

Und wie würdet Ihr als Nachbarn reagieren, wenn von den am Straßenrand abgestellten Fahrrädern zwei, drei so geparkt worden wären, dass sie einen Teil Eurer Garageneinfahrt blockieren.

Liege ich da falsch? Wenn vier Fahrradfahrer mit ihren Fahrrädern die gleiche Straßenfläche zum Parken in Anspruch nehmen wollen wie ein Autofahrer für sein Auto, ist das für die meisten Menschen mindestens unverschämt.

Noch mal – Hand aufs Herz: Könnte es sein, dass die meisten von uns Verkehrspolitik durch die Autofahrer-Brille beurteilen?

Egal ob Fußgängerinnen oder Kinderwagenschieberinnen, egal ob Rollator- oder Rollstuhl-Fahrerinnen – und auch Fahrradfahrerinnen – im Straßenverkehr hat sich alles dem Auto und seinen Fahrer-/innen unterzuordnen.

Update 6.1.2019:

Ihr habt nicht genug Wohnraum? Euch fehlt eine Abstellkammer? Ihr hättet gern einen Raum zum Basteln? Hier ein Tipp ;-)

Ich glaube ich fang an wie meine Nachbarn. Da ich ja öffentlichen Raum nicht anders nutzen darf, als zum Parken, kaufe ich mir jetzt einfach einen großen Transporter oder 7,5 Tonner und stelle den hier vor die Tür. Neuer Stauraum, einfacher erreichbar als ein Keller.

— twitter.com: Corin Corvus, 2.1.2019


  1. Es waren eher weniger Meter. Aber die Autos standen sehr dicht hintereinander. [return]
  2. Ich fahre lieber auf zwei Rädern. [return]
  3. Bemerkenswert finde ich dabei, dass die Garageneinfahrt der Gastgeber nicht blockiert war. [return]
  4. Es werden sogar noch weit weniger als 60 Meter gewesen. Aber ich will mal nicht so sein. [return]
  5. Den Absatz habe ich am 21.12.2018 hinzugefügt um zu verdeutlichen, worum es mir geht. Siehe dazu auch: Wir verstopfen uns. – Für Autos „bietet“ besagter Garagenweg nach meiner Einschätzung Parkplätze für „nur“ drei Fahrzeuge, wenn sie hintereinander geparkt würden. Aber außer dem Auto der Gastgeber, welches nicht in der Garage stand, stand auf dem Weg kein weiteres Fahrzeug. [return]