Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen

Heiligabend 2018. Zeit, sich Zeit zu nehmen. Zeit, Zeit zu schenken. Zeit zu lächeln.
  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Ein Blumenstrauß mit Rose

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.

— Volksweisheit

Klingt banal, nicht wahr. Aber es funktioniert.

Neulich bin ich in ein auch mit Mitmenschen rappelvolles Lebensmittelgeschäft gerannt, um meine Vorräte etwas aufzufüllen. Ich kam von der Arbeit, mein Kopf war voller Gedanken. Viele davon waren nicht positiv. Und ich wollte nach dem Einkaufen noch einiges schaffen. Hätte ich in einen Spiegel geschaut, hätte mir ein zerknirschter Typ in die Augen geschaut.

Dann sagte ich mir: Alter, das bringt so nichts! Du bist nicht mehr an deiner Arbeitsstelle, und du bist noch nicht zu Hause, wo du ja unbedingt noch so viel erledigen willst. Jetzt bist du in diesem bumsvollen Laden, mit freundlichen und weniger freundlichen Menschen. Und du tust so, als stünde dir dieser Einkauf im Weg, als sei das eine lästige Hürde die du zu nehmen hast. Aber auch diese Zeit, hier in diesem Einkaufscenter, wirst du nie wieder zurückholen können. Du wirst dich auch nicht lange daran erinnern, wenn du mit deinen Gedanken irgendwo, aber nicht hier bist.

»Warum solltest du dich auch daran erinnern wollen, wo und wie du in der 51. Kalenderwoche 2018 deinen Wocheneinkauf erledigt hast?«, fragte der Teufel auf meiner rechten Schulter. »Weil es auch ein Stück Lebenszeit ist«, antworte der Engel auf meiner linken Schulter. Dann wandte er sich mir zu: »Es ist gut, wenn du nicht achtlos damit umgehen möchtest.« Verwirrt schaute ich ihn an. »Lächle!«, forderte er mich auf. Also lächelte ich.

Ein Mann kam um ein Regal geschossen. Auch er sah grimmig aus. Fast wären wir mit unseren Einkaufswagen zusammengedonnert. Ich sah ihm in die Augen und lächelte. Dann lächelte auch er. Und ich hatte den Eindruck, dass ihn diese Situation für einen Moment aus seinen Gedanken gerissen hat.

Auch als er vorrüber war lächelte ich noch. Denn es war ein schönes Erlebnis. Ein sehr bewusstes Erlebnis. Und mir fiel auf, dass die Gedanken die ich vorhin noch von der Arbeit hatte, und die, über das was ich später noch machen wollte, weit weg waren. Ich „sah“ sie noch, aber sie berührten mich nicht mehr. Ich fühlte mich freier.

»Freier wovon?«, fragte der Teufel von rechts. »Von meinen Gedanken. Sie fesseln mich nicht mehr. Ich kann jetzt flexibler reagieren«, ließ ich ihn wissen und erklärte: »Jetzt kaufe ich ein, so ruhig es geht. Und ich lächle dabei. Was ich später mache, sehe ich dann.« »Pffff!«, kam es vom Teufel zurück. Der Engel lächelte.

Ich kann nicht in der Gegenwart sein, wenn ich mich von meinen Gedanken wegtragen lasse, wurde mir klar. »Und bedenke: Wenn du deinen Gedanken freien Lauf lässt, wirst du zu ihrer Marionette«, flüsterte mir der Engel zu.

»Und was hat das jetzt mit der Zeit zu tun?«, giftete der Teufel. »Du erkennst sie nicht, wenn du nicht bewusst lebst«, gab ihm der Engel freundlich zurück. »Muss er denn jeden Scheiß bewusst erleben?!« »Es ist sein Leben. Und es ist endlich.«